Montag, 23. April 2018

Gewinnspiel zum Welttag des Buches

Heute ist Welttag des Buches und ich habe es dieses Jahr leider verabsäumt, mir ein Rätsel/Quiz wie manchmal in den vergangenen Jahren zu überlegen. Ich wollte aber den Tag doch nicht einfach so verstreichen lassen und daher verlose ich ein ganz besonderes Buch:

Judith Schalansky - Atlas der abgelegenen Inseln


In diesem Buch werden fünfzig Inseln, zu denen es eine besondere Geschichte gibt (manchmal traurig, manchmal skurril, manchmal rätselhaft), porträtiert. Aber das Buch ist nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ein Highlight. Etwas mehr darüber könnt ihr in meiner Rezension lesen.


Um an der Verlosung teilzunehmen, braucht ihr mir nur bis zum 1.5.2018 in den Kommentaren oder per E-Mail - judith_oliva(at)web.de - zu schreiben, welches Buch ihr auf eine einsame Insel mitnehmen würdet. Das Buch wird dann unter allen TeilnehmerInnen verlost.


Teilnahmebedingungen
  • Schreibt mir per E-Mail oder in den Kommentaren, welches Buch ihr auf eine einsame Insel mitnehmen würdet.
  • Wohnsitz in Österreich oder Deutschland.
  • Das Gewinnspiel läuft bis zum 1.5.2018 (Mitternacht).
  • Es ist keine Auszahlung in Bar möglich.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Samstag, 21. April 2018

Marie Brennan - Within the Sanctuary of Wings

erschienen bei Titan Books


"Within the Sanctuary of Wings" ist der fünfte und abschließende Band von Marie Brennas Reihe "A Memoir of Lady Trent". Diese Rezension wird Spoiler zu den vorhergehenden Bänden enthalten.

Isabella und Suhail führen inzwischen ein eher ruhiges Leben in Scirland, aber während Suhail linguistische Vorträge hält, fühlt Isabella sich gelangweilt und unausgelastet. Da kommt es ihr nur gelegen, dass ein ungewöhnlicher Fund sie in die hohen Berge von Mrtyahaima führt.

Da Brennans Welt sehr stark an unsere angelehnt ist, ist auch hier schnell erkennbar, welche Gegend Mrtyahaima Pate stand: das Himalaya-Gebiet, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich schon die Anreise als schwierig gestaltet und Isabella, Tom, Suhail und ihre Begleiter mit den Herausforderungen einer Hochgebirgsregion zu kämpfen haben. Durch eine Lawine wird Isabella schließlich von den anderen getrennt und macht auf diese Weise eine Entdeckung, die all ihre bisherigen Forschungen auf den Kopf stellt.

Die Wendung, die sich hier anbahnt, ist eine, die ich schon von Beginn an geahnt und gefürchtet habe. Um nicht zuviel vom fünften Band zu verraten, werde ich hier nicht genauer darauf eingehen, welche Entdeckung Isabella macht, aber ich war zunächst nicht sehr glücklich über die Richtung, die der Plot eingeschlagen hat.
Erstaunlicherweise hat mir aber "Within the Sanctuary of Wings" trotzdem besser gefallen als einige der Vorgängerbände. Ich fand den Roman sehr spannend und mochte es, wie stark hier der Fokus nicht nur auf Isabellas Forschungen, sondern auch auf ihre Gedanken und Gefühle gelegt wurde. Für mich war sie als Person nie besonders greifbar und ich fand sie oft auch nicht sehr sympathisch, aber hier habe ich gern ihre Perspektive eingenommen. Es ist allerdings schade, dass Tom und Suhail dabei sehr in den Hintergrund treten.

Mir hat auch die Beschreibung von Mrtyahaima gefallen und die Anklänge an frühe Everest-Expeditionen. 
Wem Brennans Welt immer zu wenig Fantasy war, wird vielleicht hier eher auf die Kosten kommen, da die phantastischen Elemente stärker in den Vordergrund treten als bislang. 

Alles in allem ist "Within the Sanctuary of Wings" ein schöner Abschluss der Reihe. Ich hätte mir eine etwas andere Entwicklung gewünscht, fand die Umsetzung aber dennoch gelungen. Die Idee, dass eine Drachenforscherin von ihren Entdeckungen schreibt, fand ich schon von Anfang an sehr reizvoll, auch wenn der Memoirenstil der Spannung nicht immer zuträglich war.
Die Reihe hatte für mich klare Schwächen und Längen, aber es war einmal etwas andere Fantasy und ich bin gespannt, was die Autorin als nächstes schreiben wird.

Sonntag, 15. April 2018

Lesesonntag im April

Heute ist der 3. Sonntag im Monat und daher wieder Lesesonntag bei Winterkatze.
Ich habe gestern schon einige Sonnenstunden auf dem Balkon verbracht und dabei Within the Sanctuary of Wings von Marie Brennan ausgelesen. Damit habe ich die Lady Trent-Reihe nun abgeschlossen und obwohl sich der 5. Band in eine Richtung entwickelt hat, die ich schon vorher befürchtet und mir so gar nicht gewünscht habe, hat mir das Buch überraschend gut gefallen.
Heute schaut es wettermäßig leider nicht ganz so gut aus, aber ich hoffe, dass ich dennoch ein paar Stündchen am Balkon genießen kann und werde später auch mal ein paar Fotos vom Frühlingsbalkon machen.

Heute möchte ich endlich bei Gösta Berling weiterlesen und vielleicht sogar den Roman beenden. Er gefällt mir eigentlich gut, aber trotzdem komme ich nicht recht voran. Ich nehme an, dass es am episodenhaften Aufbaue liegt - und daran, dass es ein dicker Wälzer ist, den ich nie unterwegs dabei habe.
Da ich heute (wie auch schon beim Lesesonntag im Februar) wieder an meiner Weltkarte arbeiten möchte, werde ich wohl auch bei meinem Hörbuch Anna Karenina weiterhorchen.
Apropos Karte: Im März/April habe ich an einer Challenge der Cartographer's Guild teilgenommen bei der es darum ging, eine Karte nur mit Namen von Mitgliedern zu benennen. Für mich war das eine schöne Gelegenheit, einfach mal eine "Klischee-Fantasykarte" auszuprobieren und zum ersten Mal seit Jahren auch wieder zu Feder und Tusche zu greifen. Und ich hatte so einen unglaublichen Spaß mit der Karte!


Jetzt werde ich mal ein Weilchen lesen und mich dann später wieder melden.


Update um 15:00

Die Sonne zeigt sich heute nur sehr selten, aber es ist so warm, dass ich heute sogar im Schatten draußen sitzen kann. Da ich inzwischen auch endlich den Balkon aus dem Winterschlaf geweckt habe (und die ersten Blätter und Kräuter sprießen), ist es jetzt auch wieder sehr gemütlich draußen.

  
Daher bin ich nun auch endlich wieder ein Stück bei Gösta Berling vorangekommen - vielleicht kann ich das Buch ja heute doch noch auslesen. Da ich den Roman schon im Februar begonnen habe und auch das sehr lange Hörbuch von Anna Karenina schon seit Wochen mitnehme, wäre ich ganz froh, wenn ich zumindest eines dieser beiden Bücher endlich einmal abschließen könnte. Dass ich ständig andere Bücher dazwischen geschoben habe, war natürlich auch nicht sehr hilfreich ...
Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch eigentlich nicht schlecht findet, aber trotzdem ewig dafür braucht und es dann schon nicht mehr sehen könnt?


Update um 20:30

Ich habe Gösta Berling ausgelesehen - wohoo! Es sind dann auch noch alle Fäden zusammengeführt und all die Erzählstränge zu einem Abschluss gebracht worden. Mir haben die letzten Kapitel gut gefallen, aber jetzt bin ich doch froh, dass ich dieses Buch endlich abhaken kann.
Eine Weile habe ich auch bei Anna Karenina weitergehorcht, während ich an meiner Karte gewerkelt habe und schließlich habe ich noch die ersten Kapitel von Karten: Mythen & Geschichten von Francisca Mattéoli gelesen (ja, heute gibt es hier ein Kartenthema). Die Autorin erzählt darin anhand historischer Karten von 20 sagenumwobenen Orten, Landschaften und Routen. Ich habe das Buch vor zwei Wochen bei einem Flohmarkt in einer Buchhandlung entdeckt und musste bei dem Thema natürlich gleich zuschlagen.

Jetzt werde ich wohl noch ein wenig weiter an meiner Karte arbeiten und dabei noch meinem Hörbuch lauschen, aber ich denke nicht, dass ich noch ein Update schreiben werde.
Habt noch einen schönen Abend und vielen Dank für den Lesesonntag, Winterkatze!

Donnerstag, 12. April 2018

J. Jefferson Farjeon - Mystery in White


erschienen bei British Library Crime Classics
woher: Büchereien Wien


Im Dezember 1936 bleibt ein Zug im Schnee stecken. Ein Grüppchen Reisender macht sich zu Fuß zur nächsten Zugstation auf, in der Hoffnung, auf diese Weise doch noch rechtzeitig zu Weihnachten ihre Familien zu erreichen. Prompt verirren sie sich im Schneetreiben und stoßen auf ein Herrenhaus, das verlassen ist, obwohl die Tür unverschlossen ist und bereits das Teewasser aufgesetzt wurde. Gemeinsam versuchen sie das Rätsel zu lösen.

"Mystery in White" erschien erstmals 1937 in England, wurde 2014 in einer Neuauflage zum Überraschungserfolg und 2017 schließlich auch in einer deutschen Übersetzung publiziert. 

Im Mittelpunkt des Krimis stehen die resoluten Geschwister Lydia und David, die zu Verwandten unterwegs waren. Zusammen mit ihnen finden sich in dem mysteriösen Haus noch ein ältlicher Aufschneider, ein schüchterner Buchhalter, der sich seine eigene Welt zusammenträumt, eine Revutänzerin und schließlich der exzentrische Mr. Maltby, der mit seinem scharfen Verstand die Rätsel zu lösen versucht.
Der Autor nimmt im Roman verschiedene Perspektiven ein und bringt einem auf diese Weise die Figuren näher. Durch diese Konzentration auf die Gefühle und Gedanken der verschiedenen Figuren ist das Tempo des Krimis teils eher gemächlich, aber die gruselige Grundstimmung sorgt trotzdem für eine stetige Spannung.

Neben dem leichten Grusel kommt aber auch der Humor nicht zu kurz. Die ironischen und mitunter bissigen Dialoge von Farjeon haben mich immer wieder schmunzeln lassen.

Obwohl ich zwischendurch das Gefühl hatte, das ganze würde in eine übersinnliche Richtung gehen, ist der Kriminalfall doch gänzlich auf realistische Weise zu erklären und ich fand auch die Auflösung überzeugend. Der Schreibstil des Autors, die Figuren und die unheimliche Atmosphäre haben mir sehr gut gefallen. Einzelne Passagen fand ich etwas langatmig, aber sonst hat mich dieser klassische Krimi sehr gut unterhalten.

Mittwoch, 4. April 2018

Buchstabengeplauder #6/2018

Stress in der Arbeit, Besuch von alten Bekannten in Wien, Ostern, Katzenbetüddeln, Spielenachmittag mit den Nichten, Treffen mit alten Freunden, ein kleiner Wohnungsrelaunch mit dem Verkauf von alten und dem Kauf von neuen Möbeln, die zusammengebaut werden mussten ... Das waren die Dinge, die mich in den letzten Tagen auf Trab gehalten haben und von denen ich ein paar fotografische Eindrücke hierlasse, bis ich hoffentlich bald auch wieder Zeit für Rezensionen und andere buchbloggerische Dinge finde.

Osterkekse
Olly ist seit Herbst unser neues Familienmitglied und ein absolutes Herzchen



Was mein Herumwerkeln in der Wohnung betrifft, so habe ich nun endlich einen großen Esstisch. 


Dafür musste mein Schreibtisch weichen (sowohl mit dem Laptop als auch den Malsachen kann ich mich entweder an den Esstisch oder meinen Sekretär setzen) und meine Bücherregale sind beide an eine Seite der Wand gewandert, was bedeutet, dass ich nun auf beide einen schönen Blick von meinem Sofa habe.  :-)




Vermutlich wird mein kleines Wandregal mit den Reclam-Bücher noch woanders hin wandern, da ich die Wand nun etwas vollgestopft finde, und auch sonst gibt es noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Jetzt muss ich mich aber erst mal davon erholen, dass ich gestern den Tisch, die vier Sessel und die Kommode mit den Laden, die nun neben meinem Sekretär steht, im Alleingang zusammengebaut habe.

Samstag, 24. März 2018

#Indiebookday 2018

2013 wurde der Indiebookday vom Mairisch Verlag ins Leben gerufen. Mit dieser Aktion soll auf die kleinen, unabhängigen Verlage aufmerksam gemacht werden, indem man an diesem Tag in einer Buchhandlung ein Buch aus einem Indieverlag kauft und dann darüber bloggt oder sonst wie in den Sozialen Netzwerken darauf hinweist.

Eine Liste unabhängiger Verlag gibt es auf dem Hotlistblog von Senta Wagner.

Ich habe ein großes Talent dafür, an den Indiebookday immer erst im letzten Moment zu denken. Auch dieses Jahr war ich mal wieder zu spät dran, um gezielt ein Buch auszuwählen und in einer Buchhandlung vorzubestellen, daher habe ich heute einfach gestöbert und spontan etwas mitgenommen.

Bei mir durfte Rendezvous mit einem Oktopus von Sy Montgomery aus dem mare Verlag einziehen. Der Titel ist nicht metaphorisch - es geht tatsächlich um Oktopusse. Nun kann ich nicht behaupten, dass ich bisher ein allzu großes Interesse an diesen Tieren gehabt hätte, aber gerade deshalb dachte ich, dass es Zeit wäre meinen Horizont zu erweitern. Da ich außerdem mit Büchern aus dem mare Verlag bislang immer gute Erfahrungen gemacht habe, werde ich also demnächst über Oktopusse lesen und dabei hoffentlich viel Spannendes erfahren.

Und welches Buch habt ihr heute gekauft?

Freitag, 23. März 2018

Buchstabengeplauder #5/2018

Nach zwei sehr stressigen Wochen (diverse größere Termine in der Arbeit, dazu noch eine Tagung vergangenes Wochenende und eine kranke Kollegin) finde ich jetzt hoffentlich wieder mehr Zeit zum Lesen und Bloggen. Neben allen anderen Tätigkeiten war ich in der Arbeit auch sehr bibliothekarisch unterwegs und habe Inventur in unserer Fachbibliothek gemacht, was anstrengend, stressig und befriedigend gleichermaßen war.

Ich habe in dieser Zeit den Krimi Mystery in White von J. Jefferson Farjeon gelesen, der mir sehr gut gefallen hat, auch wenn ich ihn stellenweise ein wenig gruselig fand. Letztes Wochenende habe ich dann spontan einen wiederholten Reread von Amy & Roger's Epic Detour dazwischengeschoben, weil ich mich bei all dem Stress bei vertrauter Lektüre entspannen wollte.
Aktuell lese ich mein erstes Sachbuch in diesem Jahr und zwar Am Beispiel der Gabel von Bee Wilson, das vor ein paar Jahren im Zuge von Winterkatzes Sachbuch-Challenge durch die Blogs gegeistert ist. 

Abgesehen davon plane ich gerade einen kleinen Umbau in meiner Wohnung oder besser gesagt plane ich den Umbau schon seit einer ganzen Weile, habe ihn aber nun endlich in Angriff genommen. Vielleicht kann ich euch ja bald das Ergebnis davon zeigen.
Ebenfalls in Wohnungsdingen möchte ich mich jetzt am Wochenende auch endlich mal um die Osterdeko kümmern und hoffe außerdem, dass ich bald am Balkon werkeln kann. Immerhin zeigen sich dort schon erste Frühlingsboten.

 

Dienstag, 13. März 2018

Eowyn Ivey - Das Leuchten am Rand der Welt


erschienen bei Kindler (rowohlt)


Zu Beginn des Jahres 1885 bricht Lieutenant Colonel Allen Forrester mit zwei weiteren Männern nach Alaska auf, um dort den Wolverine River zu erforschen. Von seiner Reise und dem Leben seiner Frau Sophie, die währenddessen in der Garnison von Vancouver auf ihn wartet, erzählen Briefe, Tagebücher, Bilder und weitere Dokumente, die der entfernte Nachfahre Walter Forrester dem historischen Museum in Alpine zur Verfügung stellt.


"Das Leuchten am Rand der Welt" ist ein wunderschönes Buch, das einen dank seines Aufbaus mitunter vergessen lässt, dass es eine fiktive Expedition beschreibt und man nicht etwa einen Tatsachenbericht vor sich hat. Mit dem vielfältigen (Bild)Material ist es eine echte Augenweide und ein Buch, das man auch gern immer wieder zur Hand nimmt.


Die Geschichte der Expedition wird auf drei verschiedenen Ebenen geschildert: Im Mittelpunkt stehen die Aufzeichnungen von Allen Forrester, die von der schwierigen und entbehrungsreichen Reise berichten. Dieser Teil hat etwas von einem klassischen Abenteuerroman, der zudem auch manchmal die Grenzen der Realität überschreitet. Die drei Männer erleben schaurige und rätselhafte Dinge, die sie sich mit ihrer Vernunft nicht erklären können. Dabei stützt die Autorin sich auf tatsächliche Berichte aus jener Zeit, von denen sie auch kurze Ausschnitte in ihr Buch mit einflicht. Genauso wie bei jenen Berichten bleibt es auch bei den Aufzeichnungen von Allen Forrester offen, ob es sich nun wirklich um übernatürliche Begegnungen handelt oder um Einbildungen der Männer, die vom Hunger und der harten Reise gezeichnet sind.


Währenddessen bleibt Sophie allein in der Garnison Vancouver zurück und erlebt dabei eine innere Reise, die vielleicht weniger abenteuerlich, aber nicht minder spannend ist. Sophie ist eine wissbegierige Vogelkundlerin, die in der Abwesenheit ihres Mannes die Fotografie für sich entdeckt. Ihre Charakterentwicklung hat mir sehr gut gefallen und ihre Begeisterung für Vögel und ihr neues Hobby sind richtig durch die Seiten zu spüren.

Schließlich gibt es als dritte Ebene noch jene der Gegenwart, in denen sich Walter Forrester und Josh, der Kurator des Museums, in Briefen über die Dokumente austauschen. Obwohl diese aufkeimende Brieffreundschaft nur einen kleinen Teil in dem Roman einnimmt, habe ich doch auch darüber sehr gern gelesen und die beiden Männer bald ins Herz geschlossen.

"Das Leuchten am Rand der Welt" ist ein ruhig erzählter, aber dennoch fesselnder Abenteuerroman, der daneben auch die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau und einer großen Liebe erzählt. Obwohl Allen und Sophie die ganze Zeit voneinander getrennt sind, bekommt man viele Einblicke in ihre Beziehung und man begreift schnell, wie ähnlich sie einander in vielen Dingen sind und wie tief daher auch ihr Verständnis füreinander ist. 
Ein ganz tolles und sehr atmosphärisches Buch über eine Expedition in unerforschte Gebiete, das bereits jetzt ein Jahreshighlight für mich ist.  

Sonntag, 11. März 2018

[Kurzrezensionen] Von Kulturschock, Wölfen und Reklame

Pearl S. Buck - Ostwind - Westwind

Pearl S. Buck, die 1892 in West Virginia geboren wurde, aber einen großen Teil ihres Lebens in China lebte, erhielt 1938 den Literaturnobelpreis. In ihrem ersten Roman "Ostwind - Westwind" wird die sehr traditionell erzogene Chinesin Kuei-lan mit einem Mann verheiratet wird, der in den USA Medizin studiert hat und sich seither mehr dem westlichen Lebenswandel zugehörig fühlt. Es kommt daraufhin zu einem Zusammenprall von zwei Kulturen, der zunächst beide Ehepartner in Einsamkeit zurücklässt. Nach und nach beginnt sich schließlich Kuei-lan an die Veränderungen anzupassen und lernt auch einige Vorzüge dieser ihr so fremden Lebensweise kennen - etwa, dass sie sich ihre Füße nicht mehr binden muss. 
Ich fand die Entwicklung von Kuei-lan und auch die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden Eheleuten sehr interessant zu lesen. Ich bin mir nicht sicher, wie realistisch die Autorin die chinesische Kultur der 1920er Jahre zeichnet, da sie selbst sie ja letztendlich doch nur von "außen" erlebt hat, aber ganz allgemein ist der Roman eine gelungene Darstellung einer Frau, die sich zwischen zwei Lebensweisen hin- und hergerissen fühlt.


Joan Aiken - The Wolves of Willoughby Chase

Dieses Kinderbuch von Joan Aiken ist der Auftakt zu einer Reihe, die in einem alternativen 19. Jahrhundert angesiedelt ist, in der König James III regiert und zahlreiche Wolfsrudel das Land unsicher machen.
Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Geschichte von Bonnie, einem Mädchen aus reichem Landadel, und ihrer armen Cousine Sylvia. Als Bonnies Eltern zu einer Reise aufbrechen, beginnt die unheimliche Gouvernante Miss Slighcarp die Kinder zu terrorisieren.
"The Wolves of Willoughby Chase" ist ein ganz wunderbares, klassisches Kinderbuch mit Bösewichten, die so direkt aus einem Dickens-Roman entstammen könnten. Obwohl Bonnie und Sylvia einige Grausamkeiten erdulden müssen, hat man aber das beruhigende Gefühl, dass alles gut ausgehen wird. Die beiden Mädchen werden sehr lebendig beschrieben und obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, schließt man beide sehr schnell ins Herz. Ich weiß noch nicht, ob ich die Reihe weiterlesen werde, aber ich hatte auf jeden Fall sehr viel Lesespaß mit diesem ersten Band (der ganz in sich abgeschlossen ist).


Dorothy L. Sayers - Mord braucht Reklame

"Mord braucht Reklame" ist der achte Band aus der Lord Peter Wimsey-Serie und bislang mein Liebling. Lord Peter Wimsey ermittelt hier inkognito in einer Werbeagentur, in der ein Mitarbeiter durch einen verdächtig wirkenden Unfall zu Tode gekommen ist. Die Autorin hat selbst als Werbetexterin gearbeitet und das merkt man dem Roman auch an. Sie beschreibt so lebendig, detailliert und auch ironisch den Arbeitsalltag in der Agentur, dass für mich der Kriminalfall ganz in den Hintergrund getreten ist, obwohl es sich um einen interessanten und clever konstruierten Fall handelt.
Ich hatte mit diesem Buch einen Heidenspaß, zumal mir so manches im täglichen Bürowahnsinn so bekannt vorkam, das ich kaum glauben mochte, dass dieser Roman mehr als 80 Jahre auf dem Buckel hat. Es ist auch herrlich zu lesen, wie Peter Wimsey sich in dieses Umfeld einfügt und bald eine gewisse Begeisterung für das Texten von Werbeslogans und -kampagnen entwickelt. 
Ein ganz wunderbarer Krimi mit einem originellen Setting, das ich nur ungern wieder verlassen habe.

Montag, 5. März 2018

Buchstabengeplauder #4/2018

Das wird dieses Mal ein eher kurzes Geplauder, aber da ich seit gut einer Woche nichts geschrieben habe, wollte ich ein kleines Lebenszeichen von mir geben.
Letzte Woche hatten wir eine längere Konferenz am Wolfgangsee und obwohl dort schönstes Winterwetter war, hatte ich davon leider nichts. Ich habe es noch nicht mal für fünf Minuten zum See geschafft, weil der Arbeitsaufwand dafür zu hoch war. Immerhin haben wir aber auf dem Weg hin einen kurzen Zwischenstopp in Gmunden gemacht und ich habe euch daher ein Foto vom Traunsee mitgebracht:


Als ich dann wieder zurück war, bin ich gleich im Freizeitstress gelandet. ;-) Am Wochenende waren meine Mutter und meine älteste Schwester bei mir in Wien, weil wir gemeinsam eine Musicalgala besucht haben. Nachdem sie gestern mittags wieder abgereist sind, ging es für mich gleich weiter zu einem Murder Dinner mit meinen ehemaligen Arbeitskollegen. Wir hatten das zum ersten Mal im Januar ausprobiert und sind seither auf den Geschmack gekommen. Soweit wir das also zeitlich hinbekommen (immerhin müssen wir zehn Leute terminlich unter einen Hut bekommen), werden wir wohl in den nächsten Monaten noch ein paar mehr Szenarien ausprobieren.
Vom Murder Dinner ging es dann spätabends noch weiter zum Oscarnacht-Schauen mit Freundinnen. Wir haben das ganze mit Tippspiel, Bingoblättern, thematischer Verkleidung und Knabbereien aufgepeppt, aber es wurde doch eine recht lange, müde Nacht. Wenn ich heute nicht einen Tag Zeitausgleich gehabt hätte, hätte ich das wohl eher nicht durchgestanden - aber so konnte ich dann am Vormittag schlafen.

Zum Lesen bin ich auf jeden Fall dementsprechend wenig gekommen in der letzten Zeit und ich bin daher noch immer mit denselben Büchern beschäftigt wie beim Lesesonntag
In nächster Zeit werde ich mich wohl wieder etwas mehr dem Lesen widmen können. Und es dürfte wohl in den kommenden Tagen tatsächlich der Frühling in Wien Einzug halten. Hurra!

Sonntag, 25. Februar 2018

Serien-ABC

Heute habe ich mal einen etwas anderen Tag mitgenommen - bei All meine Träume habe ich das Serien-ABC entdeckt und da ich in den letzten Jahren wenig Filme gesehen habe, dafür aber einige Serien, wollte ich diesen mal beantworten.
Achtung, angesichts der Natur einiger Fragen wimmelt es hier von Spoilern (aber keinen allzu aktuellen)!

 

A – Amazon Prime or Netflix?


Netflix, wobei ich keine Vergleichsmöglichkeiten habe. Ich habe seit ein paar Jahren ein Netflix-Abo, das Streaming-Angebot von Amazon habe ich dagegen nie ausprobiert.

 

B – Binge Watching or „One Episode a Week“?


Das ist sehr unterschiedlich und hängt einerseits von der Serie, andererseits vom Zeitfaktor ab. Manchmal schaue ich alle paar Tage oder Wochen eine Episode und manchmal schaue ich 3-4 hintereinander.

 

C – Cast Love
Who is your favorite Cast from a TV-Series?


Hier sind mir mehrere Serien eingefallen, aber ich habe mich für den Cast von Call the Midwife entschieden. Das ist eine der wenigen Serien, in denen ich eigentlich alle Charaktere mag - natürlich, manche gehen einem phasenweise auf die Nerven und nicht alle sind immer liebenswert, aber ich würde mir von niemandem wünschen, dass er/sie die Serie verlässt (was mir in anderen Serien durchaus passiert). Umgekehrt hat die Serie auch sehr problemlos den Ausstieg einiger Hauptdarstellerinnen verkraftet, da der restliche Cast das immer sehr gut abfangen konnte.
Abgsehen davon mag ich einfach die Stimmung in Nonnatus House. Auch wenn es manchmal Differenzen gibt, halten meistens alle zusammen und es wird nicht auf künstliches Drama und Intrigenspinnerei gesetzt (ja, Downton Abbey, ich meine dich).

 

D – Drink of Choice while watching a TV-Series


Ich drinke eigentlich immer nur Leitungswasser oder Tee (und morgens Kaffee), daher sind das auch meine Getränke der Wahl, wenn ich eine Serie anschaue.

 

E – English (O-Ton) vs. German (Synchro)?


Englisch! Ich kann mich kaum erinnern, wann ich zuletzt eine englischsprachige Serie in Synchronfassung gesehen habe. Die erste Serie, die ich mir im Original (mit englischen Untertiteln) angeschaut habe, müsste auf jeden Fall Lost gewesen sein vor über 10 Jahren.

 

F – Fictional Charakter you would probably date?


Eine schwierige Frage, da die meisten Charaktere, für die ich im Kontext einer Serie schwärme, nicht auch zwangsläufig welche sind, die ich im wirklichen Leben mögen würde. Vielleicht Logan Echolls aus Veronica Mars, der eine sehr positive Charakterentwicklung durchmacht und schließlich auch im abschließenden Film sehr sympathisch ist.

 

G – Glad You Gave this Series a Chance:


Da fallen mir zwei ein: Battlestar Galactica hätte ich mir wahrscheinlich nie angeschaut, wenn mich nicht ein Bekannter davon überzeugt hätte, dass mir die Serie bestimmt gefallen würde. Tatsächlich fand ich die Charaktere grandios und die Handlung mit ihren Wendungen extrem spannend. Leider hat mich die Serie dann irgendwo in der letzten Staffel verloren und ich habe das Finale bis jetzt nicht gesehen.
Eine weitere Serie bei der ich eigentlich dachte, sie wäre nicht mein Fall (und um die ich als Teenager einen Riesenbogen gemacht habe), ist Buffy - The Vampire Slayer. Als eine Freundin mir alle DVDs geliehen hat, wollte ich nur aus Neugier mal ein wenig reinschauen und war wider Erwarten begeistert.

H – Hidden Gem Series (Geheimtipp):


I, Claudius ist eine BBC-Serie von 1976 nach dem gleichnamigen Buch von Robert Graves. Sie war damals eine der erfolgreichsten Fernsehserien überhaupt, ist aber mittlerweile ziemlich in Vergessenheit geraten. In 13 Episoden erzählt sie die Geschichte der Julisch-Claudischen Dynastie von Augustus bis Claudius. Die grandios besetzte Serie (mit Derek Jacobi, Brian Blessed und Sian Phillips) hatte kein großes Budget und konzentrierte sich daher ganz auf die Charaktere, ihre Beziehungen zueinander und die politischen Intrigen. Optisch ist die Serie nicht sehr gut gealtert, aber inhaltlich steht sie modernen Politthrillern um nichts nach.

I – Important Fangirl Moment:


Der gesamte Besuch der Doctor Who Experience voriges Jahr in Cardiff war ein einziger Fangirl-Moment ... :-)


J – Just Finished:


Es ist schon eine Weile her, seit ich eine Serie wirklich beendet habe - die, die ich in letzter Zeit gesehen habe, laufen entweder noch oder aber ich bin noch nicht am Ende angekommen.

 

K – Kinds of Series you won’t watch


Ich konnte nie so recht was mit Sitcoms anfangen und habe z. B. auch "Friends" nie gesehen. Das ganze Format ist einfach nicht mein Fall - vom Lachen des Publikums bis hin zur Konzentration auf ein Haus/Appartment, wo sich immer alle versammeln.

L – Longest running Series you have seen:


Das ist einfach zu beantworten: Doctor Who. Selbst, wenn man nicht mit der alten Serie 1963 zu zählen beginnt, sondern aufgrund der langen Pause erst mit dem Reboot 2005, sind es inzwischen 10 Staffeln.

 

M – Major Character Death you can’t get over:


Ianto Jones aus Torchwood. Die Serie hat meiner Meinung nach den Tod von zwei Hauptcharakteren zuvor gerade mal so überwunden, aber dann noch ein dritter ... Ich habe die 4. Staffel der Serie bis jetzt nicht gesehen.

Ianto's Shrine in Cardiff Bay

 

N – Netflix Series you love the most:


Ich habe bisher tatsächlich noch keine einzige Netflix-Serie gesehen. "House of Cards" habe ich zwar mal begonnen, bin aber nie über die ersten beiden Episoden rausgekommen.

 

O – One Series that you have seen multiple Times:


Von Gilmore Girls habe ich früher zumindest einzelne Folgen sehr oft gesehen. Letztes Jahr habe ich mir dann - als Einstimmung auf das Revival - die gesamte Serie noch einmal angeschaut. Obwohl ich einige Entwicklungen und Storylines nicht mag, hatte ich beim Rewatch wieder viel Freude damit. Nur das ersehnte Revival fand ich dann leider ganz furchtbar.

 

P – Pairing you love the most:


Willow und Tara aus Buffy. Die beide hatten eine so schöne und realistisch geschilderte Beziehung, in der es auch einige Höhen und Tiefen gab. Aber Joss Whedon hatte natürlich nichts besseres zu tun als den Fans das Herz aus der Brust zu reißen. *grummel*

 

Q – Quote that inspires you:


So gern ich auch Lady Violet Crawley mit einer ihrer vielen brillanten Wortmeldungen aus "Downton Abbey" zitieren würde, sind die doch alle nicht unbedingt inspirierend. Daher schnapp ich mir ein Zitat vom zehnten Doctor: "Some people live more in twenty years than others do in eighty. It's not the time that matters, it's the person."

 

R – Reboot you would like to see happening:


Ich würde gern das oben genannte I, Claudius als neue Serie mit einer Ausstattung wie Rome, aber demselben guten Drehbuch wie die Serie aus den 70er Jahren sehen.

 

S – Spin-Off
Favorite Spin-Off?


Hier möchte ich zwei Serien nennen, die meiner Meinung nach auch einige Parallelen aufweisen. Angel als Spin-Off von "Buffy" und Torchwood als Spin-Off von "Doctor Who" sind beides Serien, die deutlich düsterer und erwachsener als ihre Ursprungsserien daherkommen; sie haben beide ein Ermittlergrüppchen, das sich mit übernatürlichen Verbrechen beschäftigt und sie beginnen beide als etwas trashige "Monster of the Week"-Serie, die dann im Laufe der Zeit so viel mehr werden. Und beide haben einen exzellenten Cast mit sehr interessanten Charakteren. Und Hut ab vor den äußerst kontroversen Fragen und Entscheidungen, mit denen sich Torchwood in "Children of Earth" beschäftigt.

 

T – Turn Back Time
Which Show would you save from getting cancelled?


Wer hätte gedacht, dass ich hier mit einer Serie aus dem Bereich Paranomal Romance kommen würde, aber Moonlight hätte wirklich mehr als eine Staffel verdient. Die Serie hatte leichte "Angel"-Anklänge mit einem Vampir als Privatdetektiv und war insgesamt auch etwas klischeehaft, aber ich finde, dass sie dem Vampirgenre doch einen guten frischen Anstrich verpasst hat - mal davon abgesehen, dass Jason Dohring als Josef Kostan genial war! Noch dazu hat sich zum Ende der ersten Staffel eine interessante neue Storyline angebahnt, die ich gern noch weiter verfolgt hätte.

 

U – Unapologetic Fangirl for:


Doctor Who. Ich bin oft frustriert, ich schimpfe oft darüber, konnte teilweise mit ganzen Staffeln und/oder Companions (*hust*Amy*hust*) nichts anfangen und finde einige Episoden alles andere als gelungen. Das ändert nichts daran, dass ich mich auf den Beginn jeder neuen Staffel freue, mit größter Spannung hibble, wenn ein neuer Doctor bzw. Companion bekanntgegeben wird und das Christmas Special für mich seit ein paar Jahren ein fixer Bestandteil der Weihnachtsfeiertage ist.

 

V – Very Excited for this new Series:


Ich habe nicht recht mitverfolgt, welche neuen Serien demnächst ausgestrahlt werden, aber ich möchte mir auf jeden Fall noch The Handmaid's Tale und Alias Grace ansehen, da ich beide Bücher von Margaret Atwood toll fand - und das sind ja beides recht aktuelle Serien.

 

W – WTF
Most schocking Series Moment:


Der Tod von Claire McLeod in McLeods Töchter. Ich konnte es nicht glauben, als sie den Hauptcharakter der Serie umgebracht haben - zumal das in einer Zeit war, als man noch nicht über solche Dinge im Internet gespoilert wurde. Im Vergleich dazu, was in der Serie alles an Haupt- und wichtigen Nebencharakteren gestorben ist, ist "Game of Thrones" der reinste Spaziergang ...
Leider hat die Serie die vielen Ausstiege auch nicht gut verkraftet und daher zum Ende hin stark nachgelassen.

 

X – X Marks the Spot:
Start at the top of your shelf and pick the 10th DVD:

 

Y – Your latest Series Purchase


Ich habe mir schon länger keine Serien mehr auf DVD gekauft, weil ich die meisten über Netflix geschaut habe. Vermutlich war die letzte, die ich mir gekauft habe, Broadchurch. Zumindest die erste Staffel dieser Serie kann ich allen nur wärmstens ans Herz legen (danach lässt sie etwas nach). In punkto Besetzung, Charakterzeichnung, Plotaufbau und Spannung gehört sie zum Besten, was ich in den letzten Jahren gesehen habe!


ZZZ – Snatcher Series (last one that kept you up way too late):


Das dürfte die Miniserie Strike gewesen sein, die Verfilmung der Krimis von Robert Galbraith. Obwohl ich die Bücher gelesen hatte und also wusste, wie die Auflösung war, haben mir die ersten beiden Staffeln so gut gefallen, dass ich damit einfach nicht aufhören konnte. Ab heute läuft übrigens die Verfilmung des dritten Bandes! :-)

Sonntag, 18. Februar 2018

Lesesonntag im Februar

Endlich schaffe ich es, bei einem von Winterkatzes monatlichen Lesesonntagen (immer der 3. Sonntag im Monat) zumindest ein bisschen mit dabei zu sein, da ich außer Lesen auch noch einiges andere vorhabe.

Ich lese derzeit ein Buch, das im Februar neu bei mir eingezogen ist und zwar Das Leuchten am Rand der Welt von Eowyn Ivey. Ich bin über dieses Buch eher zufällig gestolpert, als ich im Januar mit meiner Nichte gemütlich in einer Buchhandlung gestöbert habe. Mir ist das Cover ins Auge gesprungen und dann der Name der Autorin (von Eowyn Ivey hat mir Das Schneemädchen sehr gut gefallen). Also habe ich das Buch zur Hand genommen, hineingeblättert und dabei ist mir gleich das Herz aufgegangen:



Es geht darin um eine Expedition entlang des Wolverine Rivers in Alaska 1885, die in Briefen, Tagebucheinträgen, Bildern und Zeitungsartikeln erzählt wird. Ich hätte das Buch damals beinahe vom Fleck weg gekauft, mich aber doch noch zurückgehalten, weil ich zu dem Zeitpunkt gerade so viel anderes gelesen habe. Im Februar habe ich es mir nun gegönnt und auch sofort zu lesen begonnen. Bisher gefällt es mir sehr gut und ich hoffe, dass ich heute damit etwas weiterkomme.

Parallel lese ich Gösta Berling von Selma Lagerlöf, das ich als recht skurril empfinde, und Anna Karenina als Hörbuch. Vermutlich werde ich aber auch noch ein ebook beginnen, da ich in den letzten Tagen immer "Gösta Berling" unterwegs mit dabei hatte und mir dieser Wälzer dafür einfach zu unhandlich und schwer ist. 

Ich werde jetzt dann gleich ins Weltmuseum fahren, wo heute im Rahmen des Welttags der Fremdenführer eine Freundin von mir Sonderführungen anbietet. Leider verlockt das Wetter mich nicht besonders, die Wohnung zu verlassen - es ist mal wieder kalt, grau und nebelig. Immerhin habe ich mir aber inzwischen ein bisschen Frühling in die Wohnung geholt.



Ich mache mich nun auf die Socken und melde mich hier später wieder.


Update um 16:00

Ich bin wieder zurück und bin froh, dass ich mich trotz Sonntagsfaulheit und schlechtem Wetter noch aufgerafft habe, ins Museum zu fahren. Meine Freundin hat eine sehr interessante Führung über die Reisen der Habsburger Franz Ferdinand, Ferdinand Maximilian (der spätere Kaiser von Mexiko) und Kronprinz Rudolf sowie die Geschichte der Sammlungen des Weltmuseums gemacht. Ansonsten habe ich mich nur kurz im Museum umgeschaut, das erst Ende 2017 neueröffnet wurde, da es mir heute zu wuselig dort war. Das hole ich dann lieber an einem "normalen" Museumstag nach.

Unterwegs habe ich noch mit dem ebook Bücherstadt von Akram El-Bahay begonnen, wobei ich mir nicht sicher bin, wie logisch ich das Setting - eine riesige unterirdische Bibliothek in einer vorindustriellen Gesellschaft - finde. Es gibt einen Grund, weshalb Tiefspeicher erst im 20. Jahrhundert üblich wurden: Die Kombination von gezwungenermaßen vielen Öllampen und Fackeln mit Büchern ist nicht die beste und auch das Klima lässt in Kellerräumen meist eher zu wünschen übrig (wobei Feuchtigkeit in einem eher wüstenhaften Setting vielleicht nicht so sehr das Problem sein dürfte wie hierzulande). 
Aber vielleicht sehe ich das gerade zu kritisch. Sonst kann ich noch nicht sehr viel zum Buch sagen, da ich noch nicht sehr weit bin. Jetzt gibt es bei mir erst einmal ein spätes Mittag- bzw. frühes Abendessen.


Update um 21:00

Ich habe heute Abend noch ein wenig bei Das Leuchte am Rand der Welt weitergelesen. Was mir an dem Buch (unter anderem) so gut gefällt, ist, dass man die Expedition aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Einerseits ist da der Bericht von Allen Forrester, andererseits gibt es auch Tagebucheinträge und Briefe seiner Frau Sophie, die in Vancouver zurückgeblieben ist und schließlich kommt noch eine Ebene in der Gegenwart dazu, da sich ein Erbe Forresters mit dem Kurator des Historischen Museums von Alpine über die Dokumente austauscht. Man vergisst beim Lesen tatsächlich, dass es sich dabei um Fiktion handelt und diese Expedition so nie stattgefunden hat.

Ansonsten habe ich aber den späten Nachmittag und Abend wieder einmal mit meiner Weltkarte verbracht. Ich weiß nicht genau, wie es geschehen ist, aber irgendwie hat eins zum anderen geführt und aus einer Karte der Inseln, auf denen meine Romane spielen, wurde eine Karte der weiteren Umgebung und schließlich eine tatsächliche Weltkarte. Von fertig bin ich noch weit entfernt und ich bastle auch weiterhin halbherzig an der Plattentektonik herum - einerseits finde ich so etwas sehr spannend und hätte gern eine bessere Vorstellung davon, welche Gebirge wie entstanden sind, aber andererseits scheitere ich daran, selbst eine plausible Kontinentaldrift zu entwerfen. Meine Tektonik ist also bislang eine Mischung aus Recherche und Handgewedel.
Wenn ich dann irgendwann mal die Gebirge habe, werde ich mich als nächstes dem Klima zuwenden.
Und klar, natürlich habe ich mir das im Kleinen schon für die besagten Inseln überlegt (sonst hätte ich dort schwerlich Geschichten ansiedeln können), aber ich habe einfach Lust darauf, das in größere Zusammenhänge einzubetten.

Ich weiß, dass die meisten Menschen so etwas für ein sehr seltsames Hobby halten, aber für mich war das Weltenbasteln immer schon der Teil des Schreibens, der mir fast am meisten Spaß gemacht hat. Und damit meine ich nicht nur Fantasy. Auch bei meinen Pferdegeschichten früher konnte ich mich stundenlang damit beschäftigen, Parcourspläne für Springturniere zu entwerfen, mir die Abstammung der Pferde zu überlegen (ja, ein ganzes Zuchtbuch zu führen) und Umgebungskarten des Reitstalls zu zeichnen.

Ich glaube, bei mir ist dieses Entwerfen von Welten der eigentliche Auslöser des Schreibens, meine Form der Inspiration - insofern ist es wohl kein Wunder, dass es mit dem Schreiben nicht mehr geklappt hat, als ich mich ganz und gar darauf konzentrieren und meine knapp bemessene Freizeit nicht mit Weltenbasteln "verschwenden" wollte. Auch dem Malen und Zeichnen habe ich mich in erster Linie immer deshalb gewidmet, um auf diese Weise meine Welt illustrieren zu können.
Gut, dass ich das nun auch endlich erkannt habe, nachdem ich einige Jahre so darunter gelitten habe, dass mir meine Kreativität abhanden gekommen war. Dabei hatte ich nur den Schwerpunkt auf die falschen Dinge gelegt bzw. die Inspiration an den falschen Stellen gesucht.

Nach diesen vielen Worten lasse ich euch noch ein Bild der Welt in Hammer-Aitoff-Projektion da - es handelt sich dabei aber noch um ein work-in-progress.


Und damit verabschiede ich mich für heute, bedanke mich für den gemeinsamen Lesetag und wünsche euch noch einen schönen Sonntagabend!

Samstag, 17. Februar 2018

Kristina Gehrmann - Im Eisland 1. Die Franklin-Expedition

erschienen bei Hinstorff


Am 19. Mai 1845 brachen die beiden Expeditionsschiffe Erebus und Terror unter dem Kommando von Sir John Franklin in die Arktis auf, um die Nordwestpassage zu durchsegeln. Die Schiffe waren auf dem neuesten Stand der Technik, der Vorrat sollte die Mannschaft für mindestens drei Jahre versorgen können, die Männer waren voller Zuversicht und das Interesse der Öffentlichkeit enorm. 
Dennoch scheiterte die Expedition katastrophal - die Schiffe verschwanden im Eis und trotz groß angelegter Such-Expeditionen konnte niemand aus der Mannschaft gerettet werden. Es dauerte Jahre, ehe Spuren der Expedition entdeckt wurden und die Gründe für das Scheitern sind bis jetzt nicht restlos geklärt. 

Die Illustratorin Kristina Gehrmann erzählt die Geschichte dieser berühmten Tragödie als Graphic Novel bzw. Comic in drei Bänden, wobei der erste Band die Zeit vom Aufbruch bis zur ersten Überwinterung vor der Beechey- Insel schildert. "Im Eisland Band 1" hat 2016 den deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Sachbuch erhalten, wobei man über die Einordnung sowohl unter Jugendliteratur als auch unter Sachbuch diskutieren kann.

Ich habe bekanntermaßen ein Faible für Polarforschung und kenne dementsprechend die Geschichte der Franklin-Expedition sehr gut, aber ich habe trotzdem Kristina Gehrmanns Umsetzung extrem spannend gefunden. Zunächst war ich skeptisch, ob die Geschichte als Comic funktionieren kann, aber das tut sie - und wie!
In vielen kleinen Szenen und detailreichen Zeichnungen wird der Alltag auf den beiden Schiffen beschrieben und man lernt auch rasch einige Mannschaftsmitglieder genauer kennen, wie etwa Commander James Fitzjames, Francis Crozier, Kapitän der Terror und den Schiffsjungen Tommy Evans. Die Autorin versteht es, mit ihren Zeichnungen sowohl die Gefühle der Männer als auch zwischenmenschliche Szenen einzufangen. Mir sind die Expeditionsteilnehmer sehr schnell ans Herz gewachsen und ich habe mich dabei ertappt, wie ich richtig mit ihnen mitgefiebert habe, obwohl mir ja das weitere Schicksal bekannt ist. 

Vom Zeichenstil her sind die Figuren eher simpel gehalten und manche von ihnen wirken zu kindlich, aber sie sind doch gut voneinander zu unterscheiden und man kann die verschiedenen Personen bald problemlos auseinanderhalten. Die polaren Landschaften sind toll gelungen - man kann die klirrende Kälte fast durch die Seiten spüren. 

Ich kann den Auftakt zu Gehrmanns Trilogie allen wärmstens empfehlen! Das Comic ist historisch gut recherchiert, bietet viel Hintergrundwissen und bringt einem die verschiedenen Expeditionsteilnehmer rasch näher. Die Geschichte ist spannend erzählt und hält eine sehr gut Balance zwischen Abenteuer, Humor, Trauer und drohender Gefahr. Ich kann es kaum erwarten, die nächsten beiden Bände zu lesen.

Montag, 12. Februar 2018

Frances Hodgson Burnett - A Little Princess

erschienen bei Dreamscape Media
ungekürzte Lesung von Colleen Prendergast
woher: Audible

Sara Crew muss Indien und ihren geliebten Vater verlassen, um in einem englischen Internet zur feinen Dame erzogen zu werden. Sie findet schnell Freunde in der Schule und obwohl die strenge Schulleiterin Miss Minchin sie nicht mag, erfüllt sie Sara ihres reichen Vaters wegen doch jeden Wunsch. Das alles ändert sich, als schlechte Nachrichten aus Indien kommen und Sara sich fortan als Dienstmagd in der Schule verdingen muss.


Frances Hodgson Burnett hat mit Sara Crew eine ganz zauberhafte Heldin entworfen. Sara ist warmherzig, unvoreingenommen, wissbegierig und unglaublich fantasievoll. Sie denkt sich gern Geschichten aus und versetzt sich so intensiv in diese hinein, dass sie für sie beinahe zur Realität werden. Die Autorin beschreibt so anschaulich, wie Sara in ihren Geschichten leben, dass man selbst beim Lesen ganz darin eintauchen kann. In der Schule reagieren die Mädchen sehr unterschiedlich auf Saras lebhafte Fantasie: einige sind ganz davon fasziniert und bewundern Sara; andere wiederum finden sie seltsam und überheblich oder sind auf sie neidisch. So macht sie sich schnell Freunde, aber auch Feinde.

Ihre engsten Freundinnen sind die scheue Dienstmagd Becky und ihre Mitschülerin Ermengarde, die Schwierigkeiten beim Lernen hat. Die beiden halten auch dann noch zu Sara, als sie allen Reichtum verloren hat. Auch ihre Geschichten sind Sara ein Trost, als sie nun in einer engen, dunklen Kammer wohnen muss und mit Hunger und Kälte zu kämpfen hat. 
Es hat mich fasziniert, wie der Autorin hier die Balance zwischen der kindlichen Fantasiewelt und der harten Realität gelingt. So stellt Sara sich vor, sie wäre eine Gefangene in der Bastille oder ein Soldat im Krieg, um besser mit ihrem trostlosen Alltag umgehen zu können. Die Vorstellung, eine Prinzessin zu sein, hilft ihr schließlich, auf Ungerechtigkeiten mit Höflichkeit und Respekt zu reagieren - sehr zum Missfallen von Miss Minchin, die Sara aus der Reserve locken möchte. 
Trotzdem können die Geschichten nicht darüber hinwegtäuschen, wie sehr Sara immer wieder unter ihrer Situation leidet. Es gibt Szenen, die tieftraurig oder höchst ungerecht und wirklich hart zu lesen sind. 

"A Little Princess" ist ein wunderschönes Kinderbuch, das ich vom Anfang bis zum Ende genossen habe. Sicher, die Figuren sind teils ein bisschen schwarz-weiß geraten, aber nicht eindimensional gezeichnet. Und auch die Botschaften, die darin vermittelt werden, sind zwar schlicht, aber nicht banal und zudem auch zeitlos. Mir hat der Roman noch besser gefallen als The Secret Garden, da er meiner Meinung nach besser die Balance zwischen schönen und traurigen Szenen hält und das Ende weniger simpel ist.

Sehr gelungen ist auch die Hörbuchfassung mit einer sehr angenehmen, einfühlsamen Lesung von Colleen Prendergast.
Ich bin sehr froh, dass ich diesen Roman nun endlich gelesen habe (bislang kannte ich noch nicht einmal eine der filmischen Umsetzungen) und kann mir gut vorstellen, dass ich in Zukunft noch öfter dazu greifen werde.

Montag, 5. Februar 2018

Buchstabengeplauder #3/2018

Lebensgeplauder

Hat irgendwer vielleicht meine Motivation gesehen und kann sie bitte einfangen? Ich habe den Eindruck, dass ich gerade ganz in meinem alljährlichen Februartief angekommen bin, auch wenn ich mich vielleicht gerade unproduktiver fühle als ich es tatsächlich bin. So war die vorige Woche in der Arbeit sehr intensiv, da ich eine Ausbildungswoche betreut habe - diesmal nicht am Wolfgangsee, sondern in Wien - und oft bis spät in den Abend hinein eingespannt war. Trotzdem habe ich meistens brav mein tägliches Schreibpensum geschafft und auch sonst so einiges erledigt.
Aber ich muss mich derzeit immer erst zu allem selbst überreden, habe das Gefühl, dass ich in der Arbeit nur im Schneckentempo vorankomme und neige fürchterlich zu schlechter Laune. So habe ich mich etwa schon die ganze letzte Woche auf ein Treffen mit Freundinnen heute Abend gefreut, das nun leider nicht stattfinden konnte - und damit war für mich schon wieder den ganzen Tag jegliche Motivation davongefegt. Es nervt mich meist selbst am meisten, wenn ich in so einer Stimmung bin, aber ich finde es beruhigend, dass ich jedes Jahr rund um den Jänner/Februar so eine Phase habe und diese dann auch immer wieder vorübergeht.

Lesegeplauder

Immerhin hat sich mein Stimmngstief bislang nicht auf meine Lektüre ausgewirkt. Gestern habe ich Mord braucht Reklame von Dorothy L. Sayers ausgelesen, das mir sehr, sehr gut gefallen hat. Ich würde fast sagen, dass das bislang einer meiner liebsten Lord Peter Wimsey-Krimis ist.
Auch The Wolves of Willoughby Chase von Joan Aiken gefällt mir bislang sehr gut, auch wenn ich bei dem Buch nun einige Tage pausiert habe.
Nach Hörbüchern ist mir hingegen aktuell gar nicht - vor allem ist mir gerade überhaupt nicht nach Handarbeiten, wodurch ich dann kaum je zu Hörbüchern greife. Deshalb bin ich bei Anna Karenina kaum vorangekommen, aber mal sehen, was der restliche Monat so bringt.

Schreibgeplauder

Ich finde nun immer besser wieder ins Schreiben hinein, auch wenn ich mich täglich davor drücken möchte. Wenn ich dann aber mal angefangen habe, läuft es meist doch ganz gut. Die Plotlücken in "Bühnenrätsel" werden immer kleiner und ich habe einige Ideen, wie ich manche Szenen umstellen kann, damit die Handlungsstränge besser funktionieren.
Dabei läuft es für meine Protagonisten gerade überhaupt nicht gut. Herun hat zuviel in Angelegenheiten herumgewühlt, die besser ruhen sollten und hat nun die Folgen zu tragen - und Gabran ist gerade ziemlich mit den Nerven fertig, weil er um das Leben seiner Schwester bangen muss. Außerdem habe ich mit Lewo eine Nebenfigur aus dem ersten Band zur Beinahe-Hauptfigur befördert; ich überlege sogar, ihn zu einem Perspektiventräger zu machen.
Ich hoffe mal, dass es jetzt im Februar weiterhin gut läuft mit dem Roman. Die Rohfassung werde ich wohl im Laufe der nächsten Monate beenden können (vielleicht sogar noch im März), aber an die Überarbeitung denke ich lieber erst noch nicht - da kommt nämlich noch einiges auf mich zu.

Samstag, 3. Februar 2018

Susanna Kearsley - The Shadowy Horses


erschienen bei Allison & Busby
woher: Richard Booth's Bookshop in Hay-on-Wye


Die Archäologin Verity Grey wird zu einer Grabung in ein schottisches Dorf eingeladen. Ihr exzentrischer Arbeitgeber hat sein Leben der Suche nach dem letzten Lager der Neunten Legion gewidmet und glaubt, hier nun fündig geworden zu sein. Bald erfährt Verity, dass nicht archäologische Befunde der Grund für seine Überzeugung sind, sondern ein Dorfjunge, der den Geist eines römischen Legionärs sieht.

Susanne Kearsley hat selbst einige Jahre als Museumskuratorin gearbeitet und das merkt man dem Buch an. Sie schildert realistisch und detailliert den Alltag auf einer archäologischen Grabungsstätte und den Umgang mit Funden. Tatsächlich wird diesem Thema deutlich mehr Raum gewidmet als dem übernatürlichen Handlungsstrang rund um den Geist des Legionärs. Mir hat das sehr gut gefallen, aber ich denke, dass man schon eine gewisse Affinität zur Archäologie mitbringen muss, um das nicht langweilig zu finden.

Auch sonst schlägt der Roman eher ruhige Töne an. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, um das Dorf, die Umgebung und die Bewohner zu schildern, bis man die schottische Landschaft beim Lesen beinahe sehen kann.
Durch die seltsamen Vorgänge rund um die Ausgrabungen bekommt die Idylle aber auch unheimliche Untertöne. Verity meint Menschen und Pferde zu hören, die nicht da sind, und stellt bald fest, dass der kleine Robbie sich den römischen Geist nicht nur einbildet.
Was es mit diesem auf sich hat, hat mich letztendlich ein wenig enttäuscht, da man nur wenig über tatsächliche Ereignisse in der Vergangenheit erfährt und rund um die Neunte Legion alle Möglichkeiten offen bleiben. Das ist natürlich ein sehr kluger Schachzug, da die Lösung, die einem eher vage angeboten wird, auf diese Weise nicht mit aktuelleren Forschungsmeinungen in Konflikt gerät.

Die Figuren sind liebevoll, aber recht einfach gezeichnet - das ist dann auch mein größter Kritikpunkt an dem Roman. Ich mochte Verity, ihren Arbeitgeber Peter Quinnell und den schottischen Grabungsleiter David sehr gern, hätte mir aber etwas mehr Ecken und Kanten gewünscht. Zwischen Verity und David entspinnt sich eine Romanze, die sich früh andeutet, dann aber recht langsam entwickelt. Gegend Ende rückt dann die Liebesgeschichte immer mehr in den Mittelpunkt, was mich aber nicht gestört hat, da ich die Gefühle zwischen den beiden sehr schön und nachvollziehbar beschrieben fand.

"The Shadowy Horses" ist ein sehr ruhiger Roman, der sich viel mit Archäologie und römischer Geschichte beschäftigt und vor diesem Hintergrund sowohl eine Geister- als auch eine Liebesgeschichte erzählt. Vermutlich nicht jedermanns Fall, aber mir hat er trotz mancher Schwächen sehr gut gefallen.

Sonntag, 28. Januar 2018

Jakob Wegelius - Sally Jones. Mord ohne Leiche

erschienen bei Gerstenberg


Die Gorilladame Sally Jones, Maschinistin der Hudson Queen, ist glücklich, wenn sie mit ihrem Freund, dem Seemann Henry Koskela über die Meere reisen kann. Aber dann nehmen die beiden in Lissabon einen seltsamen Auftrag an und kurz darauf wird Henry des Mordes angeklagt und verurteilt. Zum Glück findet Sally Jones bei der Fado-Sängerin Ana Molina ein neues Zuhause. Aber sie ist fest entschlossen, die Unschuld ihres Freundes zu beweisen - und wenn sie dafür um die ganze Welt reisen muss.

Ein Kinderbuch, das über 600 Seiten dick ist und Anleihen an klassischen Abenteuerromanen sowie historischen Reiseberichten nimmt - dieser Roman des schwedischen Autors Jakob Wegelius ist ein Buch, das wohl nicht so leicht seinen Weg zu den Lesern findet. Dabei ist es ein ganz zauberhaftes Leseabenteuer, das ich nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen empfehlen kann. 
Alleine schon die Aufmachung ist eine optische Wucht. Neben detailverliebten Karten finden sich in dem Buch allerlei Schwarz-Weiß-Illustrationen in altmodisch anmutender Punktzeichnung.


Nicht nur die Zeichnungen, auch die atmosphärischen Beschreibungen von Lissabon und Indien um 1900 wecken nostalgische Gefühle und lassen einen völlig in das Buch versinken.
Sally Jones ist eine Figur, die man sofort liebgewinnt. Sie versteht einiges mehr als ein gewöhnlicher Gorilla, kann aber nicht sprechen und hat einen ganz eigenen Blick auf die Dinge und die Welt der Menschen. Sie bringt eine Unschuld und Naivität mit sich, die ihre Perspektive einerseits kindlich wirken lässt, bringt aber andererseits durch ihre Lebenserfahrung und Weisheit eine deutlich reifere Sichtweise mit hinein. Das ist sicher mit ein Grund, weshalb das Buch meiner Meinung nach für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen funktioniert.

Trotz der abenteuerlichen und fesselnden Handlung, in die auch Elemente eines Detektivromans eingewoben sind, ist das Buch eher ruhig und nimmt sich sehr viel Zeit für Kleinigkeiten. Es werden eine ganze Reihe von Nebenfiguren eingeführt - neben Ana Molina etwa auch ein Instrumentenbauer, ein Friedhofswärter, ein indischer Maharadscha und ein englischer Zoologe. Es gibt gute Menschen und Bösewichte und viele, die sich nirgendwo einordnen lassen oder sich als anders entpuppen als sie auf dem ersten Blick erscheinen. Der Autor stützt sich teilweise auf Archetypen, aber nicht auf Klischees und formt alle Nebenfiguren sorgsam aus.
Obwohl es immer wieder humorvolle Szenen gibt, ist der Grundton des Romans melancholisch. Themen wie Vorurteile und Hass, Freundschaft und Einsamkeit, Missgunst und Selbstlosigkeit werden ernsthaft, aber dennoch kindgerecht behandelt.

Fazit: Ein wunderschönes, aber durchaus anspruchsvolles Kinderbuch, das an alte Abenteuergeschichten und Reiseliteratur erinnert. Es handelt sich dabei um die Fortsetzung des Bilderbuchs "Sally Jones. Eine Weltreise in Bildern", steht aber ganz für sich und lässt sich problemlos auch ohne den Vorgänger verstehen.

Freitag, 26. Januar 2018

Buchstabengeplauder #2/2018

Ich weiß, es ist gerade erst einmal Jänner, aber kann bitte endlich der Frühling kommen?! Diese "ich hab die Nase voll vom Winter"-Phase habe ich normalerweise immer erst im Februar, aber diesen Winter bin ich sehr früh damit dran. 
Ich liebe den Winter im Dezember, wenn ich in Weihnachts-, Tee- und Kuschelstimmung bin, aber danach sehne ich immer sehr den Frühling herbei. Ich will endlich wieder bei Licht aus der Arbeit kommen, auf dem Balkon sitzen und die dicken Winterjacken wegräumen. Geht es euch auch so oder erfreut ihr euch noch am Winter? Erinnert mich auf jeden Fall im Sommer bei Gelegenheit an meine Worte hier, wenn ich dann wieder über 35 Grad jammere.

Zumindest ist das Wetter immer noch perfekt geeignet, um sich mit einem Buch und einer Decke aufs Sofa zu verziehen. Da ich aber weiterhin schreiberisch mit der Jänner-Challenge beschäftigt bin und daneben an meinen Karten rumbastle, komme ich beim Lesen eher gemächlich voran. Ich habe The Shadowy Horses ausgelesen, das ich noch aus dem letzten Jahr "mitgenommen" habe und obwohl ich dafür eine ganze Weile gebraucht habe, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Danach habe ich zum Comic Im Eisland 1 über die Franklin-Expedition gegriffen und es in Windeseile gelesen. Es ist toll umgesetzt und sehr spannend, auch wenn man weiß, was bei der Expedition passiert ist. Nun möchte ich möglichst schnell den Folgeband lesen. In der Hoffnung auf eine weitere flotte Lektüre habe ich mir schließlich The Wolves of Willoughby Chase geschnappt und finde das Buch bislang sehr nett zu lesen.
Daneben begleitet mich unterwegs auf dem Reader schon seit einer geraumen Zeit The Dream Thieves, der 2. Band von Maggie Stiefvaters Raven Cycle. Ich habe die erste Hälfte recht zäh zu lesen gefunden, obwohl ich die Ideen darin gern mag. Nun hat die Geschichte aber deutlich Fahrt aufgenommen - zum Glück, sonst hätte ich die Serie vielleicht nach diesem Band abgebrochen. Inzwischen denke ich aber doch, dass ich weiterlesen werde.

Am Wochenende werde ich vielleicht endlich ein paar ausstehende Rezensionen schreiben und sonst einiges erledigen, was unter der Woche mal wieder liegengeblieben ist. Außerdem möchte ich mir morgen Abend Peer Gynt als Tanztheater in der Staatsoper anschauen - vorausgesetzt, ich kann noch Stehplatzkarten ergattern. Und was habt ihr so geplant?

Samstag, 20. Januar 2018

[Kurzrezensionen] Von Gedächtnisverlust, Barcelona und Terranauten

Mirjam Mous - Boy 7

Boy 7 ist ein Roman, den man wohl gut auch lesefaulen Jugendlichen in die Hand drücken kann: Er ist spannend, rasant, voller Rätsel und liest sich ungemein leicht. Es geht darin um einen Jungen, der in einer heißen Grasebene aufwacht und keine Ahnung hat, wer er ist und wie er hierher gekommen ist. Bei sich hat er ein Handy, auf dem er sich selbst eine Nachricht hinterlassen hat: „Was auch passiert, ruf auf keinen Fall die Polizei.“ 

Es folgt ein Verwirrspiel, in das ein mysteriöses Mädchen, ein Schlüssel und ein geheimes Sperrgebiet involviert sind. Nach und nach erfährt man, wer Boy 7 ist und was es mit allem auf sich hat. Man darf die Auflösung nicht zu sehr im Hinblick auf Realismus hinterfragen, aber es fügt sich alles ohne Logiklöcher ineinander und so bekommt man doch eine befriedigende Lösung. Die Figuren sind nicht sehr komplex, aber doch stimmig gezeichnet. 
"Boy 7" ist kein Buch, das besonders in die Tiefe geht oder lange im Gedächtnis bleibt, aber es war immerhin eine sehr spannende und kurzweilige Lektüre. 


Carlos Ruiz Zafón - Das Labrinth der Lichter

"Das Labyrinth der Lichter" ist der abschließende Band rund um den Friedhof der Vergessenen Bücher. Man erfährt, wie es mit Daniel und Fermín nach "Der Gefangene des Himmels" weitergeht, erhält neue Hintergründe zu einer Reihe von Figuren und bekommt mit Alicia Gris, die für die Geheimpolizei arbeitet und den verschwundenen Minister Mauricio Valls aufspüren soll, auch eine ganz neue Perspektive dazu.
Ich habe den Roman spannend gefunden und mochte die ganzen Verwicklungen und Verwirrungen, die sich darin ergeben, habe aber auch ein paar größere Kritikpunkte. Einer davon ist Alicia, der alle Männer zu Füßen liegen (und zwar vom Kleindkind bis zum glücklich verheirateten Ehemann wirklich alle). Auch sonst lieben fast alle Alicia und würden sich jederzeit für sie aufopfern - und wenn ihre Schroffheit und Verschlossenheit dann sowohl für Leser als auch Nebenfiguren mal zu nervig wird, leidet sie unendlich (aber mit größter Tapferkeit) unter einer alten Verletzung, sodass einem das Mitleid nahezu aufgezwungen wird. Ich war auch kein großer Fan des ewigen Epilogs und hätte mir gewünscht, der Roman hätte bei einem der zahlreichen Enden vorher aufgehört, zumal er ohnehin sehr lang und stellenweise auch etwas langatmig ist.
Alles in allem eine fesselnde Lektüre, die sehr schonungslos die Zeit des Franco-Regimes in Barcelona schildert und die Fäden der vorherigen Bände miteinander verknüpft, aber so ganz wollte der Funke leider nicht überspringen.


T.C. Boyle - Die Terranauten

In den neunziger Jahren wurde mit Biosphere 2 ein Kuppelbau errichtet, um zu beweisen, dass in einem eigenständigen, geschlossenen ökologischen System Leben langfristig möglich ist. An diesem Experiment orientiert sich T.C. Boyle mit seiner "Ecosphere 2", in der acht Wissenschaftlicher zwei Jahre lang leben sollen. Aus der Sicht von drei Personen - Dawn, Linda und Ramsay - wird das Leben in E2 sowohl von innen als auch von außen geschildert. 
Dabei gerät das Experiment immer mehr zu einer medialen Show, bei der Beziehungsdramen, Einschaltquoten und PR bald wichtiger sind als das eigentliche Ziel. Damit wirft Boyle einen sehr zynischen und vermutlich auch zutreffenden Blick auf unsere Mediengesellschaft und auf Reality Shows. Ich hätte mir aber gewünscht, mehr über die wissenschaftlichen Aspekte von E2 und das Leben unter der Glaskuppel zu lesen. In der ersten Hälfte des Buches spielt das noch etwas mehr eine Rolle, aber dann ist mir der Roman zu sehr in Richtung Liebesgeplänkel abgedriftet. Schade, dass es abseits von diesem auch recht wenig um die Gruppendynamik zwischen den acht Versuchskaninchen im allgemeinen geht.
"Die Terranauten" ist ein interessanter Roman, der nicht mit schwarzem Humor und Medienkritik spart, sich letztendlich aber zu sehr in seinen Beziehungsdramen verliert. Ich habe ihn durchaus gern gelesen, hätte mir aber einen etwas anderen Fokus gewünscht.

Samstag, 13. Januar 2018

Buchstabengeplauder #1/2018

Derzeit müssen bei mir Blog und Lesen ein wenig zurückstecken. 
Die letzte Woche war in der Arbeit recht stressig (ich war fast die ganze Woche alleine, weil meine zwei Kolleginnen krank bzw. mit Vortragstätigkeiten beschäftigt waren), aber vorrangig lag es nicht daran, sondern an einem Kreativitätsschub. 

Wie ich im Beitrag zu meinen Jahresvorsätzen geschrieben habe, mache ich dieses Jahr beim "Mini-T12" mit, bei dem es darum geht, mindestens 100.000 Wörter im Jahr zu schreiben. Es ist für mich sehr ungewohnt, nun wieder jeden Tag zu schreiben, aber da das tägliche Pensum zum Glück überschaubar ist, läuft es bisher nicht so schlecht. Ich schreibe an Bühnenrätsel weiter, das ich zwar schon 2013 begonnen habe, das in den letzten Jahren aber Opfer meine Schreibpause wurde. Der Roman ist mäßig gut geplottet - ich weiß in etwa, wie es weitergehen soll, aber es gibt auch noch so einige Löcher.
Im Rahmen des Mini-T12 gibt es jeden Monat eine Challenge, an der man teilnehmen kann, wenn man möchte. Im Jänner lautet die Devise "Warmschreiben" und die Vorgabe lautet, jeden Tag ein bisschen mehr zu schreiben als den Durchschnitt der vorausgegangenen Tage. Das habe ich bisher an 11 von 13 Tagen geschafft - mal sehen, was der Rest des Monats bringt (naturgemäß wird die Challenge von Tag zu Tag schwerer).

Daneben habe ich mich einmal mehr der Neugestaltung der Karte meiner Fantasywelt zugewandt. Ich habe das Mitte des vorigen Jahres schon einmal in Angriff genommen, war aber mit dem damaligen Stil nicht ganz glücklich und habe daher nicht weitergemalt. Nun habe ich etwas gefunden, was für mich eher passt, wobei ich noch immer am Ausprobieren bin.
Hier mal ein kleiner Ausschnitt (die Flüsse sind noch ein work in progress und hier nur mal auf die Schnelle ungefähr eingezeichnet):


Da es mir ausdrücklich um eine informative Karte geht, bin ich bei einem "Atlasstil" mit Höhenschichten angekommen. Früher oder später möchte ich auch gern noch "altertümliche" Karten (wie man sie etwa von Tolkien kennt) machen, aber das ist meiner Erfahrung nach deutlich einfacher und nicht mein primärer Fokus.
Ich habe einen erfolglosen Ausflug zu Inkscape unternommen, da Vektorgrafiken für diesen Zweck besser geeignet wären, aber das hat mir einfach keinen Spaß gemacht. Nun pinsle ich wieder munter in Gimp herum, auch wenn der Aufwand höher und die Datei um ein vielfaches größer ist. Und nein, Gott bewahre, ich zeichne nicht mit der Maus, sondern mit einem alten Wacom Grafiktablet.

Kein Wunder also, dass ich in diesem Jahr erst ein Buch beendet habe - und das war eins, das ich schon 2017 begonnen habe, nämlich A Little Princess. Mir hat das Hörbuch richtig gut gefallen und ich hatte wirklich meine Freude damit.
Als nächstes Hörbuch habe ich mir einen "etwas" größeren Klopper geschnappt: Anna Karenina von Tolstoi, das ich schon seit Ewigkeiten lesen will. Bislang gefällt es mir richtig gut, aber ich habe erst 2 von gut 36 Stunden gehört.

Falls es also hier demnächst etwas ruhig sein, liegt es daran, dass ich ganz in meinen Höhenlinien versunken bin. ;-)
Das ist auch der Grund, weshalb ich mich noch nicht bezüglich Mumins gemeldet habe, JED, aber keine Sorge, ich habe es nicht vergessen!!