Sonntag, 18. Juni 2017

Buchstabengeplauder #78

Wieder einmal ist eine Woche vergangen und ich habe nur einen recht bilderlastigen Plauderbeitrag für euch. In der letzten Zeit war ich einfach zu wenig in Wien - zuerst die Dienstreisen und dann war ich über den Feiertag bei meiner Familie, wo ich mit meiner Mutter die Landesgartenschau in Kremsmünster besucht habe. Die Gartenschau war auf zwei Standorte verteilt - das Stift Kremsmünster und das Schloss Kremsegg - und durchaus sehenswert, wenn auch etwas überteuert. Hier ein paar Eindrücke davon:




Stiftskirche



Allgemein ist bei mir der Juni sehr vollgestopft und wuselig. Bis zum 27. Juni muss ich noch eine Schulung vorbereiten (ich bin schon ziemlich nervös beim Gedanken daran), aber danach sollte es ruhiger werden und ich denke, dass ich dann auch den Kopf wieder freier haben werde fürs Bloggen.

Ein stiller Blog heißt allerdings bei mir nicht unbedingt, dass ich wenig lese. Gerade heute Abend habe ich Finstere Orte von Gillian Flynn ausgelesen, das mich nicht hundertprozentig überzeugt hat, das ich aber doch so spannend fand, dass ich noch bei Einbruch der Dämmerung mit angestrengten Augen draußen am Balkon gelesen habe. Auf dem Ebook-Reader tummelt sich außerdem gerade The Bell at Sealey Head von Patricia McKillip, das mir bislang sehr gut gefällt. Vom Aufbau her erinnert es mich ein wenig an "Alphabet of Thorns", das eins meiner Lieblingsbücher von McKillip ist. Hoffentlich lösen sich all die Rätsel auch zufriedenstellend auf.

Da ich vorige Woche Geburtstag hatte, habe ich außerdem Zuwachs für den SuB bekommen:


Das Labyrinth der Lichter von Carlos Ruiz Zafón ist der Abschluss seiner Romane rund um den Friedhof der Vergessenen Bücher. Sein vorheriges Werk Der Gefangene des Himmels hat mir nicht so gut gefallen, aber ich hoffe, dass der aktuelle Roman wieder etwas besser ist.
Zu diesem Wälzer gesellen sich noch zwei Sachbücher, die ich schon seit einer Weile auf der Wunschliste hatte - Gegen Vorurteile von Nina Horaczek und Sebastian Wiese sowie Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie.
Ich habe außerdem noch Büchergutscheine bekommen und einen Teil davon schon für zwei Ebooks eingelöst: When Marnie Was There von Joan Robinson und Wanderlove von Kirsten Hubbard. Beim Rest muss ich noch überlegen, welche Bücher ich noch vom ewigen Wunschlisten-Dasein erlösen möchte.
Auf jeden Fall ist genug Lesestoff für den Sommer gesichert!

Sonntag, 11. Juni 2017

Christoph Ransmayr - Der Weg nach Surabaya


erschienen bei Fischer


"Der Weg nach Surabaya" enthält 16 Texte von Christoph Ransmayr - hauptsächlich Reportagen, die er für Merian und Extrablatt geschrieben hat, aber auch Kurzprosa und Dankreden, die er bei der Verleihung von Literaturpreisen gehalten hat. Gemeinsam haben die Texte, dass sie sich alle mit Reisen oder der Beschreibung einzelner Landstriche auseinandersetzen.

Der oberösterreichische Schriftsteller Christoph Ransmayr ist nicht nur ein begeisterter Reisender (er selbst bezeichnet sich als "Halbnomaden"), sondern hat vor allem in den 80er Jahren auch zahlreiche Reportagen für (Reise)magazine geschrieben. Dabei geht es aber zumindest in den hier versammelten Texten nur selten um exotische Reiseziele, sondern um das vermeintlich Naheliegende: Bayern, das Salzkammergut, Kaprun, das Mostviertel, Hallig Hooge im Wattenmeer. Erst in den letzten Texten schweift Ransmayr weiter in die Ferne und erzählt vom Zuurberg in Südafrika und einer Lastwagenfahrt nach Surabaya.

Es hat mich selbst überrascht, dass ich die ersten "nahen" Gegenden am faszinierendsten beschrieben fand. Der Autor hat einen ungemein aufmerksamen Blick für das Alltägliche, das scheinbar Uninteressante und beschreibt das Leben in kleinen Dörfern sehr anschaulich.
Dabei hilft natürlich sein Schreibstil, der alles andere als nüchtern und karg ist, sondern wortgewaltig und fast ein wenig altmodisch. Hier eine kleine Kostprobe:

"Am Rand einer jäh abfallenden Lichtung des Mischwaldes dreht sich der Totengräber nach mir um, weist auf Schroffen und Bergkämme und zählt ihre Namen auf. Wie abblätternder Kalk gleiten Nebelfetzen die Steinhalden hinab. Tief unter uns, im besänftigenden Rauschen des Regens, liegt der südlichste und kälteste See des oberöstereichischen Salzkammergutes und an seinem Ufer, klein und verschwindend, Hallstatt; die Salzgrubenstadt."
(aus: Die ersten Jahre der Ewigkeit. Der Totengräber von Hallstatt; S. 63)

Nicht zuletzt aufgrund des poetischen Stils fügen sich Reportagen und Prosatexte so harmonisch zusammen. Denn nicht alle Texte in dem Buch sind reine Beschreibungen des Wirklichen. Ransmayr erzählt auch von einer fiktigen Reise zur Kaiserin Zita im Exil, überlegt, wie der letzte Tag von Konstantinopel 1453 ausgesehen haben könnte und lässt Minos Daedalus den Auftrag zum Bau des Labyrinths von Knossos geben.

Obwohl ich manche Texte gelungener fand als andere, hat mir diese Sammlung ebenso gut gefallen wie die Romane von Christoph Ransmayr. Ich hatte sogar fast den Eindruck, dass seine Sprache in diesen kurzen Texten besser zur Geltung kommt als in langen Romanen, wo diese mitunter ermüdend werden kann (was nichts daran ändert, dass ich auch seine Romane sehr gern lese).

"Der Weg nach Surabaya" ist ein Buch der stillen Zwischentöne, das Fernweh erzeugt - selbst (oder erst recht) dort, wo die Reise gar nicht allzu weit in die Ferne schweift. Ransmayrs Schreibstil mag die Meinungen spalten. Ich bin auf jeden Fall ein großer Fan davon und kann daher diese Textsammlung ebenso empfehlen wie etwa "Die letzte Welt" oder "Der fliegende Berg".

Montag, 5. Juni 2017

Buchstabengeplauder #77

Wie erwähnt hat es mich vorige Woche dienstlich an den Wolfgangsee geführt, wo ich mehr oder weniger rund um die Uhr eingespannt war. Es war also anstrengend, aber auch sehr interessant und schön, da die Kursgruppe wahnsinnig nett war. In der ersten Wochenhälfte hatten wir zudem sehr viel Glück mit dem Wetter und ich konnte in den Pausen ein wenig am See joggen sowie spazierengehen (einige waren schlauer als ich und hatten anstatt Laufschuhen Badesachen mit dabei).
Während es im Salzkammergut dann am Mittwoch kühler und regnerisch wurde, blieb das Wetter in Wien die ganze Woche heiß und sonnig - dementsprechend besorgt war ich um meine Pflanzen, aber erstaunlicherweise haben sie die Tage sehr gut überstanden und sind sogar ordentlich gewachsen.
Ein paar Eindrücke von Balkon und Wolfgangsee:



Endlich treibt auch die Kapuzinerkresse aus



Möglicherweise verletzte ich hier die Persönlichkeitsrechte der Schnecken

Morgen führt es mich für eine Konferenz noch einmal für drei Tage an den Wolfgangsee. Der Wetterbericht ist nicht allzu vielversprechend, was schade ist, da wir am Mittwoch eine abendliche Schifffahrt geplant hätten.

Leider haben mich vorige Woche ziemlich starke Schulter- und Nackenschmerzen geplangt, die nun übers Wochenende zum Glück nachgelassen haben (hoffentlich bleibt es so!). Aus diesem Grund habe ich aber ein sehr ruhiges und faules Wochenende verbracht und bin auch über den zusätzlichen Ruhetag heute froh. 
Ich habe also etliche Stunden lesend auf dem Balkon verbracht. Derzeit habe ich offenbar etwas Pech mit Klassikern. Bei "Moby Dick" komm ich nicht weiter (und überlege immer noch, ob ich abbrechen soll), weil mich der Roman unglaublich langweilt. Und als Hörbuch habe ich gerade "Schloß Gripsholm" von Kurt Tucholsky ausgeliehen, von dem ich fest angenommen habe, dass das genau meinem Geschmack entsprechen würde. Leider gefällt mir aber der Sprachstil nicht besonders gut und ich habe außerdem große Probleme, den plattdeutschen Einsprengseln zu folgen. 
Daneben gibt es mit "In the Labyrinth of Drakes" von Marie Brennan auch etwas modernes, wobei mich auch dieses Buch nicht direkt fesselt. Das Problem hatte ich auch schon mit den vorigen Bänden der Memoiren von Lady Trent, aber alles in allem mag ich die Serie trotzdem. 

Wie habt ihr das verlängerte Wochenende genutzt?

Samstag, 3. Juni 2017

Dan Kieran - Slow Travel. Die Kunst des Reisens


erschienen bei Heyne


Dan Kieran schreibt in seinem Buch vom entschleunigten Reisen und unterscheidet dafür auch klar zwischen Touristen und Reisenden. Er tritt dafür ein, dass man nicht nur reisen sollte um anzukommen, empfiehlt, auch einfach mal die unmittelbare Gegend zu erkunden und reflektiert kritisch, ob es denn das Ziel einer Reise sein kann, möglichst viel in möglichst wenig Zeit zu sehen. 


Mich haben Titel und Klappentext gleich angesprochen, da sich mein eigenes Reiseverhalten in den letzten Jahren auch verändert hat. Ich bin von dem Wunsch, in kurzer Zeit "alles" sehen zu wollen abgekommen, bereise zunehmend auch meine nähere Umgebung und fühle mich gestresst, wenn Mitreisende hektisch W-Lan suchen, um ihre Fotos auf Instagram hochladen oder Selfies an Freunde schicken zu können. Von Dan Kieran habe ich mir daher erhofft, verschiedene Denkanstöße für eine langsame Art des Reisens zu bekommen sowie zum Nachdenken angeregt zu werden.
Zum Teil wurden meine Hoffnungen auch erfüllt, aber nach einem sehr schönen Einstieg konnte mich das Buch dann doch nicht ganz überzeugen. 

Der Autor beschreibt in "Slow Travel" vor allem seine eigenen Reiseerlebnisse. Er erzählt von einem vierwöchigen Trip durch das Land in einem Milchwagen, erkundet die Wege direkt vor seiner Haustür, schildert die zahlreichen Pannen während einer Reise nach Schottland und bricht eine Lanze für Zugreisen (anstatt sich ins Flugzeug zu setzen). Zwischen diese persönlichen Berichte streut er recht triviale Tourismuskritik und bespricht sehr ausgiebig einige Bücher, die ihn selbst beim Thema Reisen geprägt haben. Das ist alles unterhaltsam, ergibt aber mitunter eine seltsame Mischung, die für mich nicht recht harmonieren wollte. Für mein Empfinden beißt er sich auch zu sehr an einzelnen Tipps (etwa den Zugreisen) fest und liefert als Denkanstoß nur seine persönliche Art des Reisens. Das fand ich schade, da es doch so viel mehr Möglichkeiten des entschleunigten Reisens gäbe als nur seine ganz eigenen Erfahrungen.
Vermutlich würde es nicht schaden, wenn der Klappentext deutlicher machen würde, dass es sich bei dem Buch in erster Linie um Erfahrungsberichte handelt - dann wäre ich auch mit einer anderen Erwartung an das Buch herangegangen.

Dennoch hat mir die Lektüre an sich gefallen und ich konnte auch ein paar Anregungen und Überlegungen für mich mitnehmen.