Montag, 13. März 2017

Guy Gavriel Kay - Im Schatten des Himmels



erschienen bei Fischer Tor


Zwei Jahre lang hat Shen Tai die Knochen von toten Kriegern auf einem alten Schlachtfeld bestattet, um deren Geister zur Ruhe zu bringen. Als ihm eine Prinzessin zur Belohnung für diese Tat zweihundertfünfzig kostbare und seltene Pferde schenkt, wird damit sein Leben auf den Kopf gestellt: Mit einem Mal zäht Shen Tai damit zu einem einflussreichen Mann in seiner Heimat Kitai und findet sich inmitten von politischen Intrigen und dem Ränkespiel der Mächtigen wieder.


Guy Gavriel Kay ist einer meiner Lieblingsautoren, dessen Werke ich meist ohne großes Nachdenken lese. Bei "Im Schatten des Himmels" habe ich aber lange gezögert - nicht unbedingt, weil es bislang keine deutsche Übersetzung gab, sondern mehr, weil ich mit asiatischen Settings oft nicht so viel anfangen kann.
Tatsächlich hatte ich mit diesem Buch streckenweise meine Probleme, auch wenn das nicht unbedingt am Setting lag.

Wie immer kann Kay zwar mit komplexen und intelligenten Figuren punkten, dennoch habe ich in diesem Roman weniger mit den Figuren mitgefiebert als sonst. Sie sind mir teilweise etwas fern geblieben, auch wenn es sich bei Shen Tai an sich um einen sympathischen Helden handelt.
Ein typisches Markenzeichen von Kay ist auch ein anspruchsvoller Schreibstil und eine verschachtelte Erzählstruktur. Mit letzterer hat er es hier meiner Meinung nach etwas übertrieben und mir kam die Geschichte stellenweise unnötig umständlich erzählt vor. Auch eines seiner Stilmittel - ein sonst sehr gelungener Wechsel zwischen Präsens und Präteritum - wurde hier eher seltsam umgesetzt: So erzählen die männlichen Perspektiven im Präteritum und die weiblichen im Präsens, ohne dass mir klar geworden wäre, aus welchem Grund der Autor das so handhabt.

Trotz meiner Kritikpunkte habe ich den Roman spannend zu lesen gefunden. Es gibt ein paar schöne Wendungen und auch das eine oder andere Aha-Erlebnis, wenn sich einzelne Puzzleteile auf einmal ineinander fügen. Ich finde es auch immer erfreulich, wenn Kameradschaft eine wichtige Rolle spielt und also die Beziehungen unter den Figuren sich nicht immer nur auf Liebe beschränken. Diese bekommt zwar auch ihren Platz in dem Roman, steht aber nicht im Vordergrund.
Zum Ende hin werden leider einige Ereignisse etwas zu knapp zusammengefasst erzählt, wodurch ein gehetzter Eindruck entsteht. Da Kay sich vorher soviel Zeit nimmt, um in die Welt einzuführen und die Figuren vorzustellen, fällt das umso mehr auf. Die Welt hat mir aber trotz meiner Vorbehalte gegen ein asiatisches Setting sehr gut gefallen. Ich habe mich darin zwar nicht auf Anhieb so wohlgefühlt wie etwa im spätantiken Sarantium, aber Kay erweckt Landschaften und Städte schön zum Leben und beschreibt auch die Kultur von Kitai sehr anschaulich.

Unterm Strich würde ich sagen, dass "Im Schatten des Himmels" auf eine gewisse Weise ein typischer Kay ist und der Roman auch zu den besseren Vertretern einer eher "historischen" Fantasy gehört. Leider hat der Autor aber hier einige seiner besonderen Stilmerkmale nicht so gelungen wie sonst oder aber zu stark eingesetzt. Alles in allem ergibt sich dadurch ein mitunter etwas holprig wirkender Roman.

1 Kommentar:

  1. Erst letztens hatte ich das Buch in der Hand und war genauso unschlüssig, ob ich es lesen soll oder nicht. Von Kay habe ich bisher nur Gutes gehört, aber vielleicht fang ich doch lieber bei einem anderen Buch an.
    Danke für die Buchvorstellung!

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