Sonntag, 19. November 2017

Elizabeth Marie Pope - The Perilous Gard


erschienen bei Recorded Books
woher: Audible
ungekürzte Lesung von Jill Tanner


England 1558: Kate Sutton, Hofdame von Prinzessin Elizabeth, fällt aufgrund der unbedachten Handlung ihrer Schwester bei Queen Mary in Ungnade und wird daraufhin nach Elvenwood Hall verbannt. An diesem düsteren und abgelegenen Ort, der auch Perilous Gard genannt wird, ist der Glaube an Feen und das Übernatürliche noch sehr lebendig. Vor Jahren verschwand hier die Tochter des Hausherrn Geoffry Heron unter seltsamen Umständen und Geoffreys Bruder Christopher wurde dafür verantwortlich gemacht. Aber Kate zweifelt an dieser Geschichte und beginnt sich zu fragen, ob nicht eher die Feenkönigin dahinter stecken könnte.

"The Perilous Gard" ist ein phantastischer Roman, der 1974 publiziert wurde und als Hintergrund die Ballade von Tam Lin hat. Er beginnt als historischer Roman und würde über weite Strecken auch als solcher funktionieren. Zwar wird schnell klar, dass in Elvenwood Hall seltsame Dinge vor sich gehen, aber zunächst weiß Kate nicht, ob sie es nur mit Aberglauben oder tatsächlich mit dem Übernatürlichen zu tun hat. Es wird eine schöne, leicht unheimliche Atmosphäre aufgebaut, die mir sehr gut gefallen hat. Die zweite Hälfte des Romans wird dann magischer und märchenhafter, wobei man es hier mit einem sehr düsteren Feenreich zu tun hat.

Neben dem sehr stimmigen Setting und der mysteriösen Stimmung besticht das Buch vor allem mit den Figuren. Kate ist eine ganz wunderbare junge Heldin, die die Dinge hinterfragt und ihnen auf den Grund gehen will - auch in Momenten, in denen vielleicht Mitgefühl eher gefragt wäre als Logik. Ihr Verstand, der also einerseits einer ihrer Stärken ist, steht ihr andererseits auch manchmal im Weg. Sie ist mutig, hat aber doch auch immer wieder mit Zweifeln zu kämpfen. Das alles macht sie zu einer sehr runden und stimmigen Figur, die mir sehr sympathisch war.
Auch Christopher Heron ist sehr mehrschichtig gezeichnet und es gibt eine Reihe von interessanten Nebenfiguren - so bekommen auch die Feen ihre ganz eigene Stimme und werden nicht zu einfachen Bösewichten abgestempelt.

Man kann schnell erahnen, dass Kate und Christopher füreinander romantische Gefühle entwickeln werden, aber die Autorin lässt sich sehr viel Zeit, um ihre Beziehung aufzubauen und zu zeigen, wie sie allmählich anfangen, einander zu vertrauen.
Gleichzeitig ist die Liebesgeschichte nicht im Zentrum der Handlung, die den Fokus mehr auf Kates innere Entwicklung legt.

Das alles hat mir sehr gut gefallen und ich war fast traurig, als das Buch zu Ende war. "The Perilous Gard" ist ein fesselnd und gefühlvoll erzählte Geschichte, die ich allen empfehlen kann, die eine solche Mischung aus historischem und phantastischem Roman mögen.

Freitag, 17. November 2017

1000 Beiträge - Rätsel und Gewinnspiel


Ich kann es kaum glauben, aber das hier ist der 1000. Beitrag, den ich für meinen Blog schreibe. Das ist natürlich eine Zahl, die gefeiert werden will!

Daher gibt es heute bei mir ein kleines Bücherrätsel, bei dem es für die zwei TeilnehmerInnen mit den meisten richtigen Antworten ein Buch nebst einer kleinen Überraschung zu gewinnen gibt. Zur Auswahl stehen folgende drei Hardcover:

  • Edgar Allan Poe: Unheimliche Geschichten (neu übersetzt von Andreas Nohl)
  • Garth Stein: Im Licht des Augenblicks
  • Sofi Oksanen: Die Sache mit Norma
 Die genauen Teilnahmebedingungen findet ihr im Beitrag ganz unten.

Und hier kommt nun das Bücherrätsel - ein kleiner Tipp: Alle gesuchten Bücher habe ich hier rezensiert.

Erste Sätze


1. Es war wieder Abend geworden. Das Wirtshaus zum Wegstein lag in Stille, und es war eine dreistimmige Stille.

2. An diesem letzten Nachmittag des Jahres war es schon ungewöhnlich früh stockdunkel geworden.

3. Das Salinas-Tal liegt in Nordkalifornien.

4. "Sackerment!", rief Goethe, als ihm hinterrücks eine verkorkte Flasche Burgunders so heftig über dem Schädel zerschmettert wurde, dass ihm der Schlag in alle Glieder ging.

5. An einem ungewöhnlichen heißen Frühlingstag erschienen bei Sonnenuntergang auf dem Moskauer Patriatenteichboulevard zwei Männer.


Verfremdete Buchcover


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8.











Zitate


9. Die Menschen, denen er begegnete, die Orte, die er durchquerte, waren Schritte auf seiner Reise, und jedem einzelnen von ihnen räumte er einen Platz in seinem Herzen ein.

10. Morgen spiele ich mit Starkstrom herum. Undenkbar, dass dabei irgendetwas schiefgehen könnte.


Teilnahmebedingungen

  •  Schickt mir die richtigen Antworten bis zum 25.11.2017 per E-Mail an judith_oliva(at)web.de 
  • Googlen nach Zitaten und ersten Sätzen ist nicht erlaubt! 
  • Die zwei besten TeilnehmerInnen gewinnen ein Buch nebst einer kleinen Überraschung (bei Gleichstand entscheidet das Los).
  • Der/die Teilnehmer/in mit den meisten richtigen Antworten darf sich zuerst ein Buch von den oben gezeigten aussuchen; der/die Zweitplatzierte darf aus den übrigen zwei Büchern eins auswählen.
  • Teilnahme nur mit Wohnsitz in der EU möglich.
  • Keine Barauszahlung möglich.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Sonntag, 12. November 2017

Buchstabengeplauder #85

Nun, da die herbstlichen Lesewochenenden vorbei sind, ist wieder einmal Zeit für ein "normales" Buchstabengeplauder. Und im Zuge dessen gibt es bei mir einen der seltenen Neuzugänge-Beiträge. Sonst kaufe ich meist nur so vereinzelt Bücher, dass sich ein solcher nicht besonders lohnt, aber da in der letzten Woche ganze vier Bücher bei mir eingezogen sind, wollte ich diese doch einmal zusammen vorstellen:


Siri und die Eismeerpiraten von Frida Nilsson ist ein Kinderbuch, auf das ich im Zuge einer Veranstaltung zu Neuerscheinungen der Kinder- und Jugendliteratur, die ich jeden Herbst organisiere, aufmerksam geworden bin. Dabei sind noch einige weitere Bücher auf meiner Liste gelandet, aber bei diesem war ich mir sicher, dass ich es sofort lesen möchte. Es erzählt die Geschichte der zehnjährigen Siri, deren kleine Schwester vom gefürchteten Piraten Weißhaupt geraubt wurde. Siri begibt sich daraufhin auf eine Reise durchs Eismeer, um ihre Schwester zurückzuholen. Von der Erzählweise her erinnert das Buch an Astrid Lindgren und deshalb musste das Buch bei mir einziehen.

Ostwind - Westwind von Pearl S. Buck war dagegen ein Zufallsfund, der mitkommen durfte, da es das Buch zum halben Preis gab und ich von der Nobelpreisträgerin ohnehin noch ein Buch lesen möchte. Es geht darin um eine junge Chinesin, die sehr traditionell auf ihre (arrangierte) Ehe vorbereitet wurde. Ihr Bräutigam hat aber in den USA studiert und wünscht sich eine "moderne" Frau an seiner Seite. Das klang für mich nach einem interessanten Kulturkonflikt.

Wunder einer Winternacht von Marko Leino steht schon seit ein paar Jahren auf meiner Wunschliste, aber ich war mir nie recht sicher, ob das wirklich meinem Beuteschema entspricht. Als ich dieses Jahr nach einem Adventkalenderroman gesucht habe, bin ich wieder darüber gestolpert (das Buch ist genau in 24 Kapitel aufgeteilt). Mal sehen, wie mir die Geschichte eines finnischen Waisenjungen, der vom gesamten Dorf aufgezogen wird, gefällt.

Letzte Nacht von Stewart O'Nan ist das diesjährige Gratisbuch der Aktion Eine Stadt. Ein Buch. Mir haben vorher weder Buch noch Autor etwas gesagt, obwohl Stewart O'Nan schon zahlreiche Romane veröffentlicht hat. In diesem Buch, das 2007 erstmals erschienen ist, werden die letzten Stunden eines Restaurants beschrieben, ehe dieses schließt. 


ein Zimmer aus Buchseiten
Der Hinweis auf das Gratisbuch der Stadt Wien bildet auch gleich meine Überleitung zur Buch Wien 2017.  Ich war dieses Jahr nur sehr kurz dort, weil ich sie zeitlich nicht recht unterbringen konnte. Dementsprechend bin ich gestern nur durchgeschlendert, habe mich ein wenig bei den Ständen umgeschaut, kurz bei den Lesungen/Diskussionen reingehört, ein paar Leseproben und Vorschauen mitgenommen und das wars dann auch schon wieder.
Es war aber auch wie immer recht überschaubar. Bei der Buch Wien trifft sich vor allem die leider doch recht kleine österreichische Verlagsszene nebst ein paar Verlagen aus dem weiteren deutschsprachigen Raum sowie diverse Kulturinstitute. Mit Frankfurt und Leipzig nicht zu vergleichen, dafür aber auch weniger stressig.




Nächste Woche bin ich ab Mittwoch wieder zur Kursbetreuung am Wolfgangsee. Im November ist das Wetter dort leider nicht so verlockend, aber ich hoffe, dass es dennoch eine gute und nicht zu stressige Kurswoche wird.

Freitag, 10. November 2017

[Kurzrezensionen] Von einer Perle, einer Seereise und rätselhaften Eulen

John Steinbeck - Die Perle

Diese Novelle, die auf einer mexikanischen Sage basiert, erzählt von dem armen Fischer Keno, der nahe der Stadt La Paz wohnt. Als er eines Tages in einer Auster eine riesige Perle findet, beginnt er Pläne für sich, seine Frau und seinen kleinen Sohn zu schmieden. Aber der vermeintliche Segen entpuppt sich eher als Fluch.
Steinbeck schreibt hier von den Schattenseiten des Reichtums, vor allem aber von einer unüberbrückbaren gesellschaftlichen Kluft. Keno, der von einem besseren Leben träumt, hat keine Chance, diese Kluft zu überbrücken und ist mit der Perle der Willkür der Mächtigen umso mehr ausgeliefert.

Ich habe in den letzten Jahren einige Bücher von Steinbeck gelesen, die ich alle sehr mochte und auch dann, wenn sie eher traurig waren, nicht trostlos fand. "Die Perle" fand ich zwar sehr fesselnd und auch eindringlich zu lesen, gleichzeitig aber zu düster. Die Erzählung geht sehr unter die Haut, hat mich aber beim Lesen so aufgewühlt, dass ich am Ende richtiggehend niedergeschlagen war.
Ein sehr guter Kurzroman, der mir allerdings ein wenig zu bedrückend war.


Michael Ondaatje - Katzentisch

In den 1950er Jahren ist der elfjährige Michael auf einem Schiff von Colombo unterwegs nach England, wohin seine Mutter schon ein paar Jahre zuvor ausgewandert ist. Dort unternimmt er mit zwei Jungen in seinem Alter allerlei Unsinn und erkundet mit ihnen das Schiff. Neben den dreien lernt man eine Reihe eher armer Mitreisender kennen, die zusammen mit Michael am sogenannten "Katzentisch" sitzen.
Michael schildert rückblickend die Ereignisse der Fahrt - all die Liebeleien, Diebstähle und seltsamen Verstrickungen, die er zusammen mit seinen Freunden beobachtet. Jahre später kommt er mit einigen Reisegefährten wieder in Kontakt und wird sich dabei auch wieder bewusst, wie groß der Einfluss dieser kaum einmonatigen Reise auf sein Leben war.

"Katzentisch", das Gratisbuch der Stadt Wien 2017, hat eine episodenhafte Erzählweise, da es eine Vielzahl von kleinen Geschichten vereint. Ich habe den Roman sehr unterhaltsam gefunden, mitunter aber etwas zerfasert. Er ist zwar gut konstruiert und vereint eine ganze Reihe von originellen Figuren, wirkt aber durch die vielen Einzelepisoden und die vielen Themen, die er darin anspricht, ein wenig überfrachtet.


Alan Garner - The Owl Service

Alison entdeckt auf dem Dachboden ihres walisischen Sommerhauses ein Porzellanservice mit einem Blumenmuster, in dem sie Eulen zu sehen meint. Als sie das Muster aus Papier ausschneidet und zu Eulen zusammensetzt, entfesselt sie einen alten Fluch. Zusammen mit ihrem Stiefbruder Roger und Gwyn, dem Sohn der Köchin, wird ihr Leben auf seltsame Weise mit der alten walisischen Sage rund um Blodeuwedd verknüpft.

Alan Garner entfaltet in diesem Jugendbuch, das 1967 publiziert wurde, eine rätselhafte, mystische Geschichte, in der keltische Mythen mit der Gegenwart verknüpft werden. Als Leserin wird man recht ahnungslos in den Roman hineingestoßen und begreift erst nach und nach, was alles zu bedeuten hat. Das erweckt ein Gefühl von fremder und unheimlicher Magie, führt aber auch dazu, dass man beim Lesen manches Mal im Dunkeln tappt. Ich musste mich sehr konzentrieren, um der Geschichte folgen zu können. Die Atmosphäre ist nicht nur geheimnisvoll, sondern auch auf eine ganz eigene Art und Weise gruselig.
Eine faszinierende Lektüre, die ich aber teils auch als verstörend und nur schwer verständlich empfunden habe.

Mittwoch, 8. November 2017

Bingo! Ein Lesewochenende - Auswertung und Gewinnerin

Vergangenes Wochenende haben Lyne und ich zwei Lesetage der besonderen Art mit zwei Bingoblättern veranstaltet. Außerdem gab es für die Person, die die meisten Felder pro Blatt löst, ein Wunschbuch im Wert von 10 Euro zu gewinnen.
Wir waren zwar nur eine kleine Runde, hatten aber drei umso eifrige Mitleserinnen: Sam, A.Disia und Nicole Katharina hatten sich uns angeschlossen.

 

Und das sind die Ergebnisse bei den Bingoblättern (Lyne und ich haben uns hier selbst nicht mitgezählt, da wir uns ja nicht selbst beschenken wollten ;-)):

Szenenbingo
Nicole Katharina: 19
Sam: 14
A.Disia: 10

Backstagebingo
Nicole Katharina: 25
Sam: 19
A.Disia: 18

Das bedeutet, dass Nicole Katharina bei beiden Blättern die meisten Felder erfüllt hat und somit ein Wunschbuch im Wert von 20 Euro bekommt. Herzlichen Glückwunsch! 
Meld dich bitte bei Lyne (lynesbooks@gmail.com) oder mir (judith_oliva@web.de) per Mail mit deiner Adresse und deinem Buchwunsch.

Danke euch allen dreien fürs Mitmachen! Es hat sehr viel Spaß gemacht, das Wochenende lesend mit euch zu verbringen!